Novembertagung der Sektion für Bildende Künste
Polaritäten und Mittebildung
Das Baumotiv des zweiten Goetheanum
von 27. bis 29. November 2026
Sowohl in der Anthroposophie als auch in der Kunst und Architektur Rudolf Steiners spielen Polaritäten und ihre Verbindung durch einen mittleren Bereich eine zentrale Rolle. Das gilt zum Beispiel für die Polarität von Geist und Materie und ihr Ineinanderwirken in der menschlichen Seele sowie in der Natur. Aber auch für den Bau des menschlichen Körpers mit seiner sphärisch gestalteten Schädeldecke, den radial gebildeten Gliedmaßen, der rhythmisch gegliederten Wirbelsäule und den Brustkorb.
Auf eine geheimnisvolle Weise prägen diese Polaritäten auch die Entwurfsmotive für das erste und zweite Goetheanum so wie dessen Herzstück, die Holzstatue des Menschheitsrepräsentanten mit Luzifer und Ahriman. In einer mehr abstrahierten Form drücken sie sich ebenfalls in den plastischen Motiven oberhalb der Fenster des ersten und in der Gesamtgestalt des zweiten Goetheanum aus.
Was ist das Geheimnis von diesem Baumotiv und warum war es Rudolf Steiner so wichtig, dass er es den Besuchern sinnlich erlebbar machen wollte? Dieser Frage werden wir mittels Plastizier- und Bewegungsübungen sowie Impulsreferaten nachgehen. Der Vergleich zwischen der embryonalen Gestaltwerdung des Menschen, die als plastische Übung mit den Teilnehmenden durchgeführt wird, und dem Baumotiv des Goetheanum wird dabei ein Schwerpunkt sein.
Wir möchten damit auch das sich nähernde Jubiläum der Eröffnung des zweiten Goetheanum 1928 vorbereiten und nach der Aktualität des Bauimpulses fragen. Mit dem Zentralmotiv des Goetheanum, Gegensätze zu verbinden und die Kraft der Mitte zu finden, hat Rudolf Steiner eine zentrale Fähigkeit für die Zukunft sichtbar gemacht, die wir gemeinsam stärken wollen.
Yaike Dunselman, Lucie Gmünder, Christiane Haid, Angèle Ruchti, Ulrikke Stokholm und Pieter van der Ree