Der Erste wird der Letzte sein

Der Erste wird der Letzte sein

17 Mai 2022 Johannes Wirz 595 mal gesehen

Ein Quantenphysiker kommentierte seinen Vortrag mit den Worten: «Ich werde Ihnen Dinge erzählen, die Sie verstehen und die ich verstehe. Ich werde Ihnen Dinge erzählen, die Sie nicht verstehen, aber ich verstehe. Und es kommen schließlich Dinge zur Sprache, die Sie nicht verstehen und ich auch nicht verstehe.»


Nicht viel anders geht es mir, denn ich schaue auf die Evolution des Menschen aus der Außenperspektive und aus einer Innenperspektive. Ich beginne mit einer Skizze zu Charles Darwin, dem Begründer der Evolutionstheorie. Wenn ich von Darwin spreche, meine ich die ‹Synthetische Theorie›, die in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts formuliert wurde. Sie zielte darauf, alle Fachdisziplinen, von der Anatomie über die Neurologie bis zur Immunologie und insbesondere zur Genetik, einzubeziehen.

Darwin gab das Medizinstudium auf, weil er nicht Leichen sezieren konnte. Er war ein Naturliebhaber und genauer Beobachter und bekam die Gelegenheit, fünf Jahre auf der Beagle zu verbringen, einem Vermessungsboot der Königlichen Marine, das beauftragt war, die Küstenlinien aller britischen Kolonien zu vermessen. Als das Schiff an der chilenischen Steilküste vor Anker ging, beobachtete Darwin in den Schichten des Sediments unterschiedliche fossile Muscheln. Er verstand viel von Geologie und wusste, dass die unterste Schicht die älteste und die oberste die jüngste ist. So entdeckte er beim Aufstieg den Wandel der Muscheln und anderer Schalentiere. Auf den Galapagos-Inseln bemerkte er auf den verschiedenen Inseln geringe Unterschiede bei verwandten Vogel- und Pflanzenarten. Er kam zum Schluss, dass wenige Vögel vom südamerikanischen Festland auf den Inseln angekommen waren, sich verteilten und im Laufe der Zeit ihre Gestalt verändert haben mussten – wie ist das möglich? Eines der Bücher, das er in den freien Stunden an Bord las, war eine Publikation des englischen Ökonomen Malthus. Dieser spekulierte darin über das Bevölkerungswachstum, mit dem die Nahrungsmittelproduktion nicht Schritt halten würde. Nach Malthus schien ein Kampf ums Überleben unausweichlich. Es käme zu einer Auswahl der am besten Angepassten, der cleversten Menschen. Diese Spekulation lieferte das zweite Standbein der darwinistischen Evolutionstheorie: Neben der zufälligen Variation, dem einen Prinzip des Lebens, das Formenvielfalt hervorbringt, würden stets die bestangepassten Formen heraussortiert werden: Variation und Selektion.

Dieser Text ist ein Auszug aus einem Artikel, der in der Wochenschrift ‹Das Goetheanum› veröffentlicht wurde. Sie können den vollständigen Artikel auf der Website der Wochenschrift lesen.

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