Die Sortimentsreduktion von Weleda und Wala 2022 und ihre Hintergründe

Die Sortimentsreduktion von Weleda und Wala 2022 und ihre Hintergründe

10 November 2022 Georg Soldner 91 mal gesehen

Das Jahr 2022 hat starke Einschnitte in das Arzneimittelsortiment von Weleda und Wala gebracht. Warum dieser Schritt notwendig ist und warum die Forschung anthroposophischer Heilmittel für den Erhalt wichtig ist, erläutert Georg Soldner.


Zählt man alle Potenzen der einzelnen Präparate mit, hat Wala im Sommer 2022 60 Prozent seiner Fertigarzneimittel gestrichen (die bisher 2 Prozent des Arzneimittelumsatzes ausmachten). Gleichzeitig wurden die Preise gerade bei den teuer herzustellenden Ampullen stark erhöht. Bei Weleda verlief ein ähnlicher Anpassungsprozess in den letzten Jahren über mehrere Stufen, sowohl was die Sortimentsreduktion wie auch die Erhöhung der Arzneimittelpreise betrifft. Zum 1.1.2023 wird das Sortiment an Fertigarzneimitteln für Deutschland und die Schweiz nochmals deutlich eingeschränkt: Neben der Streichung von rund 17 Prozent der Fertigarzneimittel – wiederum jede Potenzstufe eines Präparates einzeln gerechnet – werden künftig rund 25 Prozent der ehemals als Fertigarzneimittel lieferbaren Arzneimittel ‹magistral› verfügbar sein. Das bedeutet, dass sie in sogenannten Herstellapotheken in Deutschland und der Schweiz auf Anforderung/Rezeptur hergestellt und damit für Arzt und Patient weiter verfügbar bleiben, aber nicht mehr als Fertigarzneimittel auf dem Markt (und damit z. B. auch nicht für anthroposophische Kliniken verfügbar) sind. Diese Herstellungsform eignet sich für kleinere Chargen – unter 1000 Packungen pro Jahr – und reduziert deutlich den analytischen und administrativen Aufwand, der bei Arzneimitteln inzwischen einen hohen Anteil des Gesamtaufwandes ausmacht. Sie eignet sich aber auch dafür, anthroposophische Arzneimittel in Länder einzuführen, in denen die anthroposophische Pharmazie bisher noch nicht bekannt ist und noch keine Zulassungen für Fertigarzneimittel bestehen. Ein Mischsystem von Fertigarzneimitteln und magistral hergestellten Arzneimitteln (darunter auch Ampullen) hat sich außerhalb der deutschsprachigen Länder z. B. in Italien und Brasilien etabliert. Für die eigenständige rechtliche Anerkennung einer Therapierichtung relevant sind allerdings nur industriell hergestellte Arzneimittel. Nur diese verfügen über eine Registrierung ohne oder eine Zulassung mit Indikation, die erlaubt, sie allgemein in Verkehr und über den Pharmagroßhandel/Apotheken national und auch international (internationale Apotheken und Online-Apotheken, die auch Patienten aus anderen Ländern beliefern können) zu vertreiben. Und nur mit solchen Fertigarzneimitteln kann man klinische Studien durchführen (Kostenpunkt einstellige Millionenbeträge; bei neu zuzulassenden Arzneimitteln zweistellige). Man sollte sich auch bewusst sein, dass alle Registrierungen und Zulassungen anthroposophischer Arzneimittel in Deutschland auf den Regelungen der sogenannten Nachzulassung anthroposophischer Arzneimittel beruhen. Gibt man eine solche Zulassung auf, steht einem später für die Wiedereinführung eines solchen Arzneimittels nur noch die extrem teure Neuzulassung zur Verfügung. Für die allgemeine Verkehrsfähigkeit und Forschungsperspektive gilt daher im Augenblick faktisch: ‹They’ll never come back›, wenn man die industrielle Herstellung eines zugelassenen Arzneimittels beendet.

Derzeit noch offen ist das künftig in Frankreich verfügbare Fertigarzneimittelsortiment der Weleda, das aufgrund deutlich erhöhter behördlicher Anforderungen und stark gesunkener Umsätze (nach Abschaffung der Erstattung in Frankreich 2021) im Vergleich zu dem bis dahin verfügbaren Sortiment noch sehr viel stärker reduziert werden wird. International hat der homöopathische Arzneimittelhersteller DHU in den letzten Jahren sein Sortiment stark reduziert. Hersteller pflanzlicher Präparate konzentrieren sich meist auf wenige Präparate, wobei vor allem die Firmen erfolgreich sind, die auch klinische Studien zu ihren Präparaten durchführen.

Dieser Text ist ein Auszug aus einem Artikel, der in der Wochenschrift ‹Das Goetheanum› veröffentlicht wurde. Sie können den vollständigen Artikel auf der Website der Wochenschrift lesen.

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Titelbild Arzneimittel in der Apotheke. Foto: Weleda AG/ Die Jäger von Röckersbühl