Ein Platz für Leichtigkeit

Ein Platz für Leichtigkeit

12 Juli 2022 Sebastian Jüngel & Catherine Bryden & Debora Kleinmann & Robert McNeer 195 mal gesehen

Lachen ist eine Erfahrung des Geistes, und an der Sektion für Redende und Musizierende Künste gibt es seit September 2021 einen Arbeitskreis für Clowninnen und Clowns. Wer sollte über Humor besser Bescheid wissen als sie, deren Berufung es ist, Menschen zum Lachen zu bringen. Gilda Bartel fragte nach ihrer Arbeit und ihren Gedanken.


Was geschieht beim Lachen, also in deinen Workshops?

Catherine Bryden, alias Carrottini «Lachen ist ein sofortiger Urlaub», sagte Milton Berle. Und Angela Hopkins fragt im Film ‹Annika›: «Wann hast du das letzte Mal gelacht? Richtig herzhaft gelacht?» Also wann?

Während eines Clownerie-Theaterworkshops lachen wir sehr viel. Manchmal lachen wir so viel, dass uns alles wehtut, und wir schnappen während unkontrollierbaren Lachanfällen nach Luft. Wir kichern, giggeln, grinsen und lächeln – ein wissendes oder auch neugieriges oder unbeholfenes Lächeln. Am bewegendsten ist es, wenn jemand in Gelächter ausbricht und wir sehen können, dass die Person keine Ahnung hat, warum das Lachen ihr Wesen übernommen hat. Dann lachen wir noch mehr. Humor ist ein Geschenk. Während der ersten Aufwärmübungen eines Workshops lenke ich als Moderatorin bewusst und aktiv Teilnehmerinnen und Teilnehmer davon ab, lustig zu sein oder andere zum Lachen zu bringen. Das Wort ‹Clown› setzt Menschen unter Druck, albern oder närrisch zu sein. Es beinhaltet Bilder von Slapstick-Tricks und großen Schuhen. Das ist aber nicht der Theaterclown. Unsere Clowninnen und Clowns können manchmal töricht sein, was aber keine Absicht ist. Lachen in einem Workshop kann nicht geplant oder arrangiert werden, aber wir können Platz dafür schaffen, den Ton und die Stimmung für warmherziges und liebevolles Lachen bereitzustellen. Da es in unserer Clownwelt keinen Platz für Sarkasmus gibt, ist es nicht unsere Absicht, kaltes oder intellektuelles Lachen zu kultivieren. Wenn wir ein Lachen erwarten oder versuchen, lustig zu sein, laden wir eine unangenehme Stille in den Raum ein.

Das Schöne an der Beziehung zwischen Humor und Lachen ist ihre Ungreifbarkeit und Unberechenbarkeit. Wenn Menschen lachen, erlebe ich Bewegung, Weite und Leichtigkeit. Wenn ich lache oder Menschen beim Lachen zusehe, fühle ich tiefe Ebenen der Erleichterung und Verbindung. Der Kolumnist Fred Dennehy geht in seiner Kolumne ‹Laughing and Weeping› (Lachen und Weinen) näher darauf ein. Rudolf Steiner sah – wie auch Sokrates im Fall von Komödie und Tragödie – eine intime Beziehung zwischen Lachen und Weinen. Lachen manifestiert sich normalerweise als eine Reihe von Stakkato-Ausatmungen, gefolgt von einer langen Einatmung. Weinen ist das Gegenteil – eine Reihe von gebrochenen Einatmungen, gefolgt von einem langen Seufzer. Diese Prozesse sind Ausdruck dessen, was Steiner als Astralkörper beobachtete – der Träger von Emotionen wie Freude und Schmerz, Trauer, Schrecken und Verwunderung. In der Erfahrung des Lachens zieht sich der Astralkörper – um Steiners Begriff zu verwenden – aus dem Physischen zurück und dehnt sich aus. Er drückt eine «innere Befreiung» des Geistes aus. Im Falle des Weinens passiert das Gegenteil. Er «drückt» auf das Physische und zieht sich in einer Geste der «inneren Stärkung» zusammen. Steiners Darstellung weist uns auf eine vielleicht überraschende Erkenntnis hin: dass Lachen eine Erfahrung des Geistes ist. Wenn ich die Verwandlungen in Menschen beobachte, die gelacht haben, habe ich keinen Zweifel daran.

Dieser Text ist ein Auszug aus einem Artikel, der in der Wochenschrift ‹Das Goetheanum› veröffentlicht wurde. Sie können den vollständigen Artikel auf der Website der Wochenschrift lesen.

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