«Hoffnungslos, dieses Wort gab es nicht für sie.»

«Hoffnungslos, dieses Wort gab es nicht für sie.»

10 Februar 2026 Dagmar Brauer 10 mal gesehen

Die Ärztin Ita Wegman übernahm mit vollem Einsatz Verantwortung für kranke Menschen, und zwar therapeutisch, sozial und spirituell. Anlässlich ihres 150. Geburtstags am 22. Februar 2026 würdigen eine Tagung und eine Vortragsreihe das Wirken der zentralen Mitgründerin der Anthroposophischen Medizin am Goetheanum.


«Ita Wegman kannte keine Resignation.» So beschrieb Madeleine van Deventer ihre Zeitgenossin Ita Wegman. Und ergänzte: «Hoffnungslos, dieses Wort gab es nicht für sie.» «Ich bin für Fortschreiten», war Ita Wegmans eigenes Credo.

Sie ist bis heute Vorbild für in der Medizin ärztlich, therapeutisch oder pflegerisch Tätige. Zumal gegenwärtiges medizinisches Handeln unter einem von Leitlinien geprägten Erfüllungsdruck steht, während sich Patientinnen und Patienten transparente und einfühlsame Gespräche wünschen, um informierte Entscheidungen treffen zu können. Die Anthroposophische Medizin, Heilpädagogik und Sozialtherapie haben zudem den Anspruch, den ganzen Menschen einzubeziehen und seine individuelle Entwicklung zu fördern.

Hierzu hat Ita Wegman (1876–1943) nachhaltige Beiträge geleistet. Sie studierte in Zürich Medizin und promovierte dort. Die Allgemein- und Frauenärztin gab der Anthroposophischen Medizin einen inhaltlichen und institutionellen Boden: durch ihr praktisches Wirken als Ärztin sowie 1921 als Gründerin des Klinisch-Therapeutischen Instituts Arlesheim (heute: Klinik Arlesheim), Schweiz, und Mitgründerin der Weleda AG. 1924 folgte die Gründung des heilpädagogischen Kinderheims Sonnenhof, Arlesheim. Darüber hinaus baute sie die ärztliche und pflegerische Weiterbildung in Anthroposophischer Medizin und Arzneimittelentwicklung auf und etablierte neue Behandlungsformen wie Mal- und Musiktherapie in den klinischen Alltag. Ita Wegman war die erste Leiterin der Medizinischen Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum von 1924 bis 1935. Im mit Rudolf Steiner verfassten Buch ‹Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst› zeigte sie das Prinzip auf, die therapeutischen Schritte für jede Patientin, jeden Patienten auf Basis des geisteswissenschaftlichen Menschen- und Krankheitsverständnisses individuell zu erkennen und anzuwenden, gegebenenfalls zu entwickeln.

Ita Wegman wollte jeden Menschen befähigen, sich seines unbegrenzten Potenzials von Selbstwirksamkeit, Zivilcourage und Erkenntnismut bewusst zu sein. Dabei war sie eine mutvolle Frau und Weltbürgerin, die autonome Individualität mit hohem Gemeinschaftssinn auszeichnete und früh die Gefahren des Nationalsozialismus in Deutschland erkannte und dazu beitrug, dass Kinder mit Behinderungen gerettet wurden.


Tagung Mut des Heilens, 20. bis 22. Februar 2026 Goetheanum

Vortragsreihe zu Ita Wegman (Englisch mit Übersetzung ins Spanische) Live via Zoom Web (Englisch)

Bild Ita Wegman, Arlesheim, nach 1935 (Foto: Ita-Wegman-Institut, Arlesheim, Schweiz)