Ich will auf der Erde gehen

Ich will auf der Erde gehen

11 November 2022 Lin Bautze & Charlie Cross 86 mal gesehen

Es ist keine Einzelstimme: Eine religionskritische Zeitschrift(1) weist auf die Leugnung des Klimawandels in anthroposophischen Kreisen hin und zitiert dabei auch Beiträge aus der Wochenschrift. Um die aktuellen Anstrengungen des Goetheanum zu Fragen des Klimawandels darzustellen, haben wir mit Lin Bautze von der Landwirtschaftlichen Sektion über den Beitrag von Anthroposophie und biodynamischer Landwirtschaft für die Umweltbewegung gesprochen. Die Fragen stellte Charles Cross. Aus dem Englischen übersetzt von Margot M. Saar.


Lin, kannst du etwas über dich und deine Erfahrung mit Klimaaktivismus erzählen?

Danke für die Einladung. Als ich anfing, war ich so etwa 18 Jahre alt, und es wurde mir damals klar, dass ich auf jeden Fall etwas studieren musste, was mit Klimawandel zu tun hat. Das kam aus einem inneren Impuls, dass dieses Thema wichtig ist und eine wichtige Aufgabe in der Zukunft sein wird. Es gab damals bereits wissenschaftliche Studien, und obwohl die Menschen sich bewusst waren, dass internationale Regierungsorganisationen sich mit dem Klimawandel beschäftigten, war dies doch ein Thema, das wenig Interesse hervorrief. Ich erinnere mich an viele Zugreisen, auf denen ich mit Menschen in der ganzen Welt sprach und ihnen von meiner Arbeit erzählte. Sie waren sehr kritisch und sagten: «Warum baust du deine Zukunft auf die Klimakrise? Das ist doch kein Thema, sondern nur etwas für die Medien und die Presse.» Seit dieser Zeit vor etwa 14, 15 Jahren hat sich viel getan. Auch die Landwirtinnen und Landwirte waren früher skeptisch. Aber mittlerweile ist sich die Gesellschaft und die Landwirtschaft des Klimawandels stärker bewusst. Die Menschen haben weniger Zweifel und erleben bereits auch die Folgen des Klimawandels. Viele Menschen sehen bereits, dass extreme Phänomene, wie Dürren oder hohe Niederschläge, zunehmen. Auch wenn es natürlich immer noch kritische oder skeptische Stimmen gibt, sowohl innerhalb als auch außerhalb der anthroposophischen Welt. Aber der Klimawandel wird immer wichtiger und sichtbarer, und das ist auch täglich spürbar. Das erleben besonders die Menschen, die in der Landwirtschaft tätig sind.

Woran liegt dieses Zögern bei manchen Menschen? Welche Überlegungen oder emotionalen Erlebnisse stecken deiner Meinung nach dahinter?

Als ich das erste Mal Leuten begegnete, die den Klimawandel leugneten, konnte ich ihre Gedanken und Einsichten überhaupt nicht verstehen. Es war mir vollkommen unverständlich, wie man den Klimawandel von der Hand weisen will. Wie ein Mensch die wissenschaftlichen Befunde und die Erfahrungen bestreiten kann, die in der Landwirtschaft und von anderen Menschen, die sich den Veränderungen gegenüber sehen, gemacht werden. Aber ich denke, um die Sache gemeinsam angehen zu können, ist es wichtig, keine Mauer aufzurichten und stattdessen in den Dialog zu kommen. Jetzt versuche ich, mehr zuzuhören und verschiedene Stimmen zu hören und die Gründe für ihre Bedenken kennenzulernen.

Ich denke, einer der Gründe für das Abstreiten ist, dass der Klimawandel stark mit Schuldgefühlen und Angst besetzt ist, und das macht es schwierig, sich damit auseinanderzusetzen. Man will sich nicht dafür schuldig fühlen, dass man existiert. Aber man steht doch vor diesem Dilemma und kann schlecht damit umgehen, dass man in der Welt ist und Treibhausgase erzeugt, die für den Tod so vieler Menschen in der ganzen Welt verantwortlich sind.

Dieser Text ist ein Auszug aus einem Artikel, der in der Wochenschrift ‹Das Goetheanum› veröffentlicht wurde. Sie können den vollständigen Artikel auf der Website der Wochenschrift lesen.

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Titelbild In einer kleinen Ecke der riesigen Great Sandy Desert in Westaustralien erscheinen große Sanddünen, Gestrüpp und Felsen, als Linien. Die hellen Fächer-formen sind Narben von Waldbränden. Foto: Satelliten-aufnahme des USGS (United States Geological Survey).