Menschennahes Bauen

Menschennahes Bauen

12 Dezember 2022 Piet Sieperda 144 mal gesehen

Ein Blick auf die Beziehung von Mensch und Baukunst anhand dreier Dornacher Gebäude. Piet Sieperda ist auf der Suche nach Rudolf Steiners Architekturkonzept.


Betrachten wir den Menschen in seiner vertikalen Form und fühlen, was in dieser Form geschieht, dann gibt es eine Kräfteentfaltung nach unten, zu den Füßen hin. Auf der anderen Seite gibt es eine Kräfteentfaltung nach oben, in Richtung des Schultergürtels, an dem beide Arme befestigt sind. Mit diesen Armen können wir etwas heben und tragen. Das bedeutet, dass sich die Kräfte von der Körpermitte aus in Richtung Schultergürtel entfalten.

Betreiben wir Nachforschungen auf dem Dornacher Hügel, sehen wir drei Bauwerke von Rudolf Steiner, welche wir mit diesen Kräfteentfaltungen in Beziehung setzen können: das Haus De Jaager (1921), das Eurythmeum (1923) und das zweite Goetheanum-Gebäude (1925). Dort sehen wir diese Kraft nach oben, in Richtung des Schultergürtels, als eine Entfaltung von Kräften aus der Mitte des Gebäudes nach oben, die das Dach tragen und aufrecht erhalten. Und nach unten sehen wir auch – aber weniger überschwänglich –, dass die Kräfteentfaltung nach unten sichtbar gemacht wird. Es gibt noch eine Kräfteentfaltung, die Steiner aufnimmt: die in die Vorwärtsrichtung – so wie der Mensch aus dem Stand in eine laufende Bewegung übergeht.

Wenn wir auf die drei Gebäude blicken, können wir in ihnen diese Kräfteentfaltungen sehen. Das scheint tatsächlich das ganze Konzept zu beschreiben. Im Eurythmeum-Eingang von der Ostseite aus betrachtet sehen wir eine Kombination aus der Aufwärts- und der Vorwärtsbewegung. An der Straßenseite des Hauses De Jaager kann man diese Bewegung nicht sehen. Erst wenn man um das Haus herum zur Gartenseite geht, sehen wir die Bewegung vorwärts im Dach über dem Studio. Am zweiten Goetheanum-Bau sind diese beiden Bewegungen und ihr Zusammenspiel äußerst stark zu sehen.

Dieser Text ist ein Auszug aus einem Artikel, der in der Wochenschrift ‹Das Goetheanum› veröffentlicht wurde. Sie können den vollständigen Artikel auf der Website der Wochenschrift lesen.

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Titelbild Haus de Jaager (1921), Gartenfront, Südansicht, statisch. Foto: Peter Zimmer