‹Parzival›-Tagung mit Schweizer Uraufführung ‹Parzival & Feirefiz›

‹Parzival›-Tagung mit Schweizer Uraufführung ‹Parzival & Feirefiz›

05 Mai 2023 Sebastian Jüngel 4226 mal gesehen

Empathie mit der Umgebung, Umgang mit Einsamkeit und verantwortliches Handeln sind Herausforderungen des heutigen Menschen – Wolfram von Eschenbach hat sie in seinem Epos ‹Parzival› vorweggenommen. Die Sektion für Schöne Wissenschaften am Goetheanum erschließt diesen frühen Beitrag zum Umgang mit erworbenen und erarbeiteten Werten im Spannungsfeld von Ost und West.


Menschen nehmen während ihrer Sozialisierung laufend Werte auf, die im Zuge ihrer Lebenserfahrungen geprüft, erweitert oder aufgegeben werden müssen. Christiane Haid, Leiterin der Sektionen für Schöne Wissenschaften und Bildende Künste am Goetheanum, sieht in Wolfram von Eschenbachs Epos ‹Parzival› ein Werk mit aktuellen Fragestellungen: «Was Parzival durchmacht, ist heute zu einer neuen Herausforderung geworden: zu lernen, sich und der eigenen Umgebung empathisch zu begegnen (Weg aus der ‹tumbheit›), Scheitern und Einsamkeit auszuhalten (Umgang mit ‹zwîvel›) und schließlich – nach Irrwegen und innerem Ringen – zu einer Deckung von Selbst und Welt zu kommen (‹saelde›).» Auf dieser Grundlage reift der ursprünglich ‹tumbe tor› zu einem freien Individuum, das Verantwortung zu übernehmen und eine Gemeinschaft zu leiten vermag.

Nach der Inszenierung von Richard Wagners ‹Parsifal› unter Leitung von Jasmin Solfaghari inspiriert nun am Goetheanum Wolframs ‹Parzival› den Blick auf den Menschen in seinem seelisch-geistigen Entwicklungspotenzial. Die mittelalterlichen Bilder und Szenen bei Wolfram von Eschenbach bewegen sich um den Gral. Seine Vielschichtigkeit erschließt sich im interdisziplinären Ansatz wissenschaftlicher und künstlerischer Zugänge bei der Tagung ‹Parzivals Suche nach dem Gral› am Goetheanum.

Die Komposition ‹Parzival & Feirefiz. Eine neue Gralserzählung› für Streicher und Perkussionsensemble mit Solostimme, Violine und afrikanischer Trommel unter Leitung von Emmanuel Vukovich ist eine Neuinterpretation zugunsten der Werte Zusammenarbeit, Gemeinschaft und Ganzheit – sie verbindet verschiedene musikalische Sprachen in einem interkulturellen Ensemble; Aspekte biografischer Erfahrungen stellt das Goetheanum-Eurythmie-Ensemble in ‹Wegspuren› dar.


Tagung ‹Parzivals Suche nach dem Gral›, 26. bis 29. Mai 2023, Goetheanum

Schweizer Uraufführung ‹Parzival und Feirefis›, 26. Mai 2023, 20 Uhr, Goetheanum

Ausstellung ‹Strebender Parzival, leidender Anfortas›, Bilder von Malerinnen und Malern aus Ungarn und der Schweiz, 10. bis 29. Mai 2023 2023, Goetheanum

Symbolbild ‹Ohne Titel› von Christiane Haid