Torusto – Das verlorene Wort

Torusto – Das verlorene Wort

14 Juni 2022 Anne Weise 170 mal gesehen

Im Sommer 2021 arbeitete die spanische Künstlerin Ester G. Mecías als Artist in residence in Dornach. Im Mai zeigte eine Ausstellung im Foyer des Goetheanum die Inhalte dieser Zeit.


Augen schauen die Betrachtenden unvermittelt an. Intensive Blicke begegnen uns in der Ausstellung ‹Torusto – Das verlorene Wort› auf großformatigen fotografischen Porträts. Der Bereich um Nase, Mund und Kinn ist von einer Maske bedeckt. Es sind aber keine OP-Masken, wie wir sie zwei Jahre lang tragen mussten, sondern sie sind aus Bienenwachs, in goldenem, sonnenhaftem Farbton. Von Bienen geschaffen, die in Gemeinschaft leben und fähig sind, selbst Wärme zu erzeugen. Obwohl die Masken aus lebendigem Material sind, ist der Kontrast zum anderen Teil des Antlitzes deutlich wahrnehmbar. In den Gesichtern, besonders den Augen, sind wahres Leben, Individualität, Träume und Schmerz, Lachen, Weinen, Hoffnungen und Wünsche zu sehen. Der bedeckte Teil des Gesichtes erscheint unlebendig. In diesen Porträts wird das Schweigenmüssen verstärkt durch das Verdecktsein des Mund- und Nasenbereichs. Diese Frauen dürfen nicht sprechen.

Die Ausstellung ist eine Momentaufnahme, Ausschnitt eines Forschungsprozesses. Zunächst wurde den Frauen eine Nasen-Mund-Maske aus Gips aufgetragen. Gips ist eine nasse und kalte Masse, die am Gesicht schnell fest und spröde wird – ein bedrängender technischer Prozess hin zum Kalten und Verhärtenden. Ganz anders war das darauf folgende Auftragen des Bienenwachses. Ein warmes, duftendes, Material, das sich ebenso den Formen des Gesichtes anpasst. Durch die Körperwärme wird es noch weicher, wärmer und formbarer. Die Heilkräfte des Bienenwachses sollten den vorherigen Vorgang wiedergutmachen und ausgleichen, das Wachs sollte helfen, das zuvor Erlebte bewusst erfassen zu können.

Dieser Text ist ein Auszug aus einem Artikel, der in der Wochenschrift ‹Das Goetheanum› veröffentlicht wurde. Sie können den vollständigen Artikel auf der Website der Wochenschrift lesen.

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