Über Generalversammlungen einer anthroposophischen Weltgesellschaft der Zukunft

Über Generalversammlungen einer anthroposophischen Weltgesellschaft der Zukunft

15 Mai 2024 Peter Selg 53 mal gesehen

Die Schere öffnet sich weit: Die Generalversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft könnte der Ort sein, an dem die Mitglieder der Weltgesellschaft sich über Initiativen und Ideen austauschen und unterstützen. Was stattfindet, ist häufig Selbstbezug und lokaler Vereinsdünkel. Wie gelingt die Wende?


Ich kam 2003, vor nunmehr 21 Jahren, nach Dornach und Arlesheim zur fachärztlichen Mitarbeit an der Ita-Wegman-Klinik und zur Medizinischen Sektion am Goetheanum. Michaela Glöckler hatte mich aufgefordert, nach der Lektüre meiner Dissertation über den ‹Logos menschlicher Physis, Die Entfaltung einer anthroposophischen Humanphysiologie im Werk Rudolf Steiners›, meine Studien und Publikationen, aber auch die Lehre am Goetheanum als wissenschaftlicher Mitarbeiter fortzusetzen, was ich dann auch tat – im Rudolf Steiner Archiv mit tatkräftiger Unterstützung Walter Kuglers, der mir die Tür öffnete und auch gestattete, die über 600 Notizbücher Rudolf Steiners zu lesen … Dabei lernte ich auch das Wesen der Medizinischen Sektion und ihre kosmopolitische Arbeit kennen, ihre weltweiten Mitarbeiter in Forschung, Lehre, Ausbildung und Praxis der Anthroposophischen Medizin. Wie viel wurde in 100 Jahren erreicht, aus kleinsten Anfängen! Und welche Herausforderungen bleiben bestehen in den schwierigen Auseinandersetzungen um Medizin und Gesellschaft im 21. Jahrhundert! Ich lernte auch kennen, was es bedeutet, die befähigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Leitungspositionen im Lebenszusammenhang einer Sektion zu finden und wie intensiv daran gearbeitet wird, wenn Veränderungen anstehen. Das Goetheanum repliziert sich keineswegs selbst, wenn Leitungsaufgaben zu vergeben sind, sondern aus einer perspektivischen Wahrnehmung der Gesamtsituation und der jetzt inkarnierten Menschen. Einen solchen Prozess erlebte ich über die Jahre auch in den Landesgesellschaften der Anthroposophischen Gesellschaft; überall wird Ausschau gehalten, welche begabten, in der Anthroposophie kompetenten und sozial befähigten Persönlichkeiten zur Wahrnehmung der schwierigen Zukunftsaufgaben infrage kommen – in den Ländern und dann auch für Gesellschaftsaufgaben am Goetheanum. Darüber ist der Dialog seit vielen Jahren im Gange – und die Zeit der hierarchisch-direktiven ‹Kooptationen› ist längst vorüber. Vorschläge werden dankbar geprüft – wer ist als Einzelner schon in der Lage, die Weltgesellschaft und die weltweiten Mitarbeitenden der Sektionen zu kennen?

Entwicklungsgestalten der Anthroposophischen Gesellschaft

Als Beirat der Anthroposophischen Gesellschaft in Fragen der Weleda wurde mit Weitblick und Sachverstand auf der Generalversammlung ein fachlich qualifizierter Kreis vorgestellt, durch die Initiative einer engagierten Gruppe. Beiträge aus verschiedenen Landesgesellschaften zeigten, wie intensiv an vielen Orten an gesellschaftlichen und an Hochschulfragen gearbeitet wird, auch für die Unterstützung des Goetheanum, wie Marc Desaules am Beispiel des Fonds Goetheanum aus dem Kreis der Landesgesellschaften darstellte. Die Landesvertretenden von 30 Landesgesellschaften berieten über die Lage und die Aufgaben in ihren Ländern und für das Goetheanum bereits vier Tage lang vor der Generalversammlung, von morgens bis abends – und blieben dennoch für die Versammlung. Die Infragestellung des internationalen Interesses und der Kompetenz in Sachfragen der Anthroposophischen Gesellschaft und ihrer Geschichte, wie sie wieder vereinzelt auf der Generalversammlung zu hören war (mit dem Argument der geringen Online-Einschaltquoten zu einer Versammlung wie dieser), ist nicht nur verletzend, sondern geht komplett an der Realität vorbei. Es gibt viele dialogische Zusammenhänge von Mitgliedern der Gesellschaft, weltweit und keinesfalls nur lokal in Dornach, und es gibt befähigte und kenntnisreiche Menschen; demnächst werden auch internationale Zoom-Foren beginnen.

Dieser Text ist ein Auszug aus einem Artikel, der in der Wochenschrift ‹Das Goetheanum› veröffentlicht wurde. Sie können den vollständigen Artikel auf der Webseite der Wochenschrift lesen. Falls Sie noch kein Abonnent sind, können Sie die Wochenschrift für 1CHF/€ kennenlernen.

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Bild Generalversammlung 2024. Foto Xue Li