Von der Erde zum Himmel und zurück

Von der Erde zum Himmel und zurück

09 März 2023 Vesna Forštnerič Lesjak & Matthias Rang & Johannes Wirz 1473 mal gesehen

Die Leitung der Naturwissenschaftlichen Sektion hat zum neuen Jahr gewechselt. Das bietet eine gute Möglichkeit für einen Blick in die Arbeit und Bedeutung der anthroposophischen Naturwissenschaft. Die Fragen stellte Gilda Bartel.


Liebe Vesna Forštnerič Lesjak, lieber Matthias Rang, was haben Sie an der Arbeit von Johannes Wirz geschätzt?

Vesna Forštnerič Lesjak Johannes Wirz habe ich vor elf Jahren kennengelernt, als er noch nicht der Co-Leiter der Sektion war. Ich habe sofort gesehen, dass er ein treuer Mitarbeiter der Naturwissenschaftlichen Sektion und des ganzen Goetheanum war, er hat immer bei allen Treffen, Vorträgen und Ausbildungen eine große Begeisterung für die Sache ausgestrahlt und auf alle Anwesenden übertragen, hat mit großer Kraft seine Gedanken aus Forschung und Anthroposophie weitergegeben. In den letzten Jahren habe ich die Ehre gehabt, ihn immer besser kennenzulernen. Ich schätze ihn nicht nur als Wissenschaftler im Bereich der Biologie, Genetik und Bienenhaltung, sondern auch als Menschen. Er ist klar in Gedanken, warm im Herzen und vor allem immer ein freier Geist, der seine eigene Persönlichkeit mit allen Besonderheiten offen und ehrlich zeigt. Ich denke, dass die jüngeren Generationen diese Eigenschaft sehr gerne sehen bei ihren etwas älteren und erfahrenen Kollegen, die lebenslang in der Anthroposophie gearbeitet haben. Eine ehrliche, lebenslang begeisterte und begeisternde Persönlichkeit, in allen ihren Farben. Er hat sich bei der Übergabe der Leitung gut um mich gekümmert und wird uns allen in der Sektionsarbeit sicher in der Zukunft noch weiter helfen. Ich muss aber auch betonen, dass wir schon jahrelang ein gutes Sektionskollegium haben und weiter haben werden.

Matthias Rang Beeindruckend fand ich immer, wie Johannes den Blick des Molekularbiologen mit dem ertastenden und ergebnisoffenen Betrachten eines goetheanistischen Forschers so verbinden konnte, dass sich mir als Zuhörer aus beidem zusammen oft eine hohe innere Evidenz ergab. Die Art, wie er moderne Forschung, die er sehr gut kennt und in ihren Ergebnissen aufmerksam verfolgt, mit Anthroposophie verbinden konnte, war für mich immer sehr wertvoll. Aus der Sache heraus hat er oftmals auch außerhalb der Anthroposophie stehende Forschende als ‹Verbündete› geschätzt. Die große internationale ‹If gene›-Konferenz 1996 und die großen Forschungsprojekte zu morphologischen Veränderungen von genetisch manipulierten Pflanzen sind nur zwei Beispiele. Johannes ist oftmals sehr direkt, sodass man immer weiß, woran man ist, und ich bin sehr dankbar für die letzten beiden Jahre, in denen wir enger zusammenarbeiten durften. Da ich selbst in meinen 15 Jahren am Goetheanum einige Male den Wunsch zu kündigen verspürt habe, bewundere ich auch, dass er mehr als drei Jahrzehnte hier tätig war und in dieser langen Zeit mit viel Expertise und Tatkraft die Sektion stark prägen konnte.

Lieber Johannes Wirz, was wünschen Sie den neuen Leitenden der Sektion?

Johannes Wirz Das Allerwichtigste zuerst: volle Forschungsfreiheit. Dieser Wunsch tönt weniger verwegen, sobald man versteht, dass der innere, spirituelle Weg einen nicht von der Welt trennt, sondern immer stärker mit ihr verbindet. Aus dieser Zeitgenossenschaft fließen einem Weltfragen und damit Inspirationen für Forschungsprojekte zu – das ist meine langjährige Erfahrung. Als Zweites wünsche ich meinen beiden Kollegen und Freunden eine solide Grundfinanzierung vom Goetheanum, die heute leider nicht genügend gesichert ist. Erst auf dieser Grundlage können unternehmerisch verantwortlich Gelder und Menschen für konkrete Forschungsprojekte gefunden werden. Und drittens wünsche ich ihnen eine unbedingte Offenheit und ein soziales Gespür, das jüngeren Menschen die Tür zur anthroposophisch-goethe­anistischen Arbeit öffnet. Dafür müssen sie bereit sein, anzuerkennen, dass ihre Schülerinnen und Schüler und die Studierenden besser werden können, als sie selbst es sind. Allen Ginsberg hat einmal gesagt: «If the student is not better than the teacher, then the teacher is a failure.»

Dieser Text ist ein Auszug aus einem Artikel, der in der Wochenschrift ‹Das Goetheanum› veröffentlicht wurde. Sie können den vollständigen Artikel auf der Webseite der Wochenschrift lesen.

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