Was in der Meditation geschieht

Was in der Meditation geschieht

22 Mai 2023 700 mal gesehen

Ein Gespräch über innere Kultur mit Claus-Peter Röh.


Erinnerst du dich an deine erste persönliche Meditationserfahrung?

Claus-Peter Röh
Ich war Student an einer allgemeinen Hochschule. Dort habe ich an einem Selbsterfahrungsseminar teilgenommen, das die Uni anbot. Die aus heutiger Sicht einfachen Übungen waren für mich neu und fremd – zum Beispiel innere Stille, Besinnung auf etwas Vergangenes und etwas Zukünftiges. Ich habe diese erste Aufgabe nie vergessen, weil sich mir innerlich starke Bilder zeigten. «Sag mal, meditierst du eigentlich?», fragte mich ein Studienfreund, der mit der damals verbreiteten transzendentalen Meditation umging. Ich habe ihm interessiert zugehört, aber es blieb mir noch fremd.

Wie unterscheiden sich Konzentration, Versenkung, Kontemplation und Meditation?


Es beginnt mit der Konzentration oder mit der Richtung der Aufmerksamkeit. Ich fange an, mich zu sammeln und die Fülle der Ereignisse zu bündeln, zu fokussieren. Das würde ich als Konzentration bezeichnen, als einen Teil der Meditation, ein Werkzeug der Meditation. Du stimmst dein inneres Instrument. Das ist noch nicht der Inhalt der Meditation, sondern es führt zu ihr hin. Es hilft dir loszulassen von allem, was dich umrauscht als Sinneserfahrung. Ein nächster Schritt ist die Umwendung der Aufmerksamkeit von etwas Äußerem auf ein Inneres. Betrachte ich zum Beispiel die Polarität von Licht und Finsternis, kann ich sie äußerlich wahrnehmen, aber auch als innerliche Qualitäten erfahren. Im Schauen nach innen kann ich in einer Art von Achtsamkeit, wie dies heute häufig genannt wird, fragen, was ich seelisch als Qualität der Helligkeit oder Klarheit erlebe oder was als Dunkelheit? Im inneren Beobachten zu verweilen, das führt dich in die Meditation. Wenn der Inhalt, auf den ich mich richte, beginnt, sich selbst als Wesen auszusprechen, beginnt die Meditation. Der Widerspruch dabei: Ich bin aktiv, zugleich lasse ich den Inhalt gewähren, seinem eigenen Leben gemäß.

Das bedeutet, dass der eigene Wille schweigt und sich zugleich engagiert?

Ja, das ist eine wunderbare Frage. Dieser erste Schritt zur Konzentration ist ein richtiger Willensschritt. Wenn ich das nicht wirklich tue, dann gilt Sein oder Nichtsein, sonst bleibe ich in meinen Vorstellungen, in meinem Wunsch. Wenn ich über Meditation spreche, sagen mir viele, dass sie eigentlich meditieren wollen, aber den Punkt nicht erreichen, von dem wir hier sprechen. Wie kommt man an den Punkt und woran misst sich hier der Wille? Was den Ausschlag gibt, ist die Frage, ob ich draußen bleibe und zuschaue oder ob ich mich ganz hineinbegebe, im Vollzug die Sache ergreife.

Dieser Text ist ein Auszug aus einem Artikel, der in der Wochenschrift ‹Das Goetheanum› veröffentlicht wurde. Sie können den vollständigen Artikel auf der Webseite der Wochenschrift lesen.

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Titelbild Aphorismus (Auschnitt) von Philip Kovce