Wege wirklichkeitsgemäßen Denkens

Wege wirklichkeitsgemäßen Denkens

01 Dezember 2021 Sebastian Jüngel 358 mal gesehen

Dass Denken mit Entdeckungsfreude zu tun hat, macht Eckart Förster in seinem Buch ‹Reflexionen des Geistes in Philosophie und Kunst› anschaulich. Ausgehend von der Frage nach dem Verhältnis von unsinnlicher Idee und sinnlich-dinglicher Erscheinung erschließt er Denkarten und soziale Wirklichkeiten von Philosophen.


Ideenfreunde lieben, was sie nicht selbst schauen können. Mit dieser Beobachtung beginnt Eckart Förster Ausführungen über das Wesen der Ideen und Stationen der Philosophiegeschichte. Die sokratische Methode nach Platon versucht, aus dem Zuweisen und Ausschließen von Eigenschaften zu einer Erkenntnis zu gelangen, die aus dem Bewusstsein kommt. «Wir fassen dauernd beobachtete Eigenschaften einer Sache in einer Vorstellung zusammen und nennen diese synagoge mit einem Namen», so Eckart Förster. Doch ist dieser Methode eine Grenze bei Naturgegenständen gesetzt, die eigenen Gesetzen folgen.

Mit dem Blick auf die bewirkende Ursache ist die Frage nach dem Verhältnis von Teil und Ganzes gestellt, die in einem Organismus wechselseitig Ursache und Wirkung voneinander sind. Angeregt von Baruch de Spinoza sucht Johann Wolfgang Goethe danach, die Idee aus den Einzelheiten zu erkennen. Damit liegt der Ausgangspunkt bei der Welt der Dinge. Auf dem Weg zur Idee stellt sich die Frage nach Wesen und Beziehung des Besonderen und des Allgemeinen.



Eckart Förster erzählt, wie sich Philosophie aus konkreten menschlichen Beziehungen von Denkern ergibt – durch Einflüsse aufeinander und in Abgrenzung voneinander. Dadurch wird der Zusammenhang von Gedanken in einer bestimmten Zeit oder durch eine Denkschule über Jahrhunderte hindurch deutlich. Diese Reise führt von der Bewusstseinsbildung in Mysterienstätten über die philosophische Methode und intellektuelle Tätigkeit bis zur poetischen, bildlich-imaginativen Darstellung etwa bei Friedrich Hölderlin. Die Suche nach einem wirklichkeitsgemäßen Denken und einer Verbindung der sinnlichen Welt mit ihren übersinnlichen Quellen hört bei Rudolf Steiner noch nicht auf – Eckart Förster geht ihr bis zu Joseph Beuys und seinem Bezug auf Søren Kierkegaards indirekte Mitteilung nach.


Buch Eckart Förster: Reflexionen des Geistes in Philosophie und Kunst, Verlag am Goetheanum 2021, 204 Seiten, 38 Euro / 44 Franken