Welche Quellen hatte Rudolf Steiner für den Landwirtschaft­lichen Kurs?

Welche Quellen hatte Rudolf Steiner für den Landwirtschaft­lichen Kurs?

07 Februar 2024 Ueli Hurter 167 mal gesehen

Ist der Landwirtschaftliche Kurs für Tausende Landwirte und Gärtnerinnen, Erzeuger und Züchterinnen eine Quelle, so fragt hier zu dessen hundertjährigem Bestehen Ueli Hurter nach den Quellen dieser Quelle. Aus welchen Quellen hat Rudolf Steiner geschöpft?


Sie liegen vor den Füßen, im Boden und entspringen dem Kosmos – sie stammen aus antikem Verstehen und sind jetzt errungen, gehören zum Wissen seiner Zeit und sind dem Geheimnis des Lebens abgerungen.

Rudolf Steiner war kein Landwirt. Trotzdem hat er den Landwirtschaftlichen Kurs gehalten, und von den acht Vorträgen im Juni 1924 ist eine tiefe und breite Erneuerungskraft für die Landwirtschaft ausgegangen. Wie konnte er so sprechen, dass es für Landwirte, Gärtnerinnen, Landschaftsgestalter und Pflanzenzüchterinnen fruchtbar war und noch immer ist? Woher hatte er dieses Wissen? Was waren seine Quellen? Dabei geht es mir auch darum, Unsicherheiten und veraltetes Wissen zu klären.

So erschien zum Beispiel im ‹Goetheanum› 33–34 vom 18.8.2023 ein Artikel von Wolfgang Held, in dem stand, dass schätzungsweise 70 Prozent des Landwirtschaftlichen Kurses von anderen Autoren und Autorinnen übernommen worden seien. Gleichzeitig versuche ich den Fragehorizont zu erweitern und frage, wie viel von dem geisteswissenschaftlichen Wissen im Kurs übernommen worden ist, in dem Sinne, dass es altes Menschheitswissen ist, und wie viel genuin von Steiner ist. Was auf jeden Fall gilt: Selbst wenn im Landwirtschaftlichen Kurs von Rudolf Steiner Fakten aus der Naturwissenschaft, agronomisches Wissen der Zeit, Menschheitsweisheit aus den Mysterien und anderes enthalten sind, so ist doch der ganze Kurs eine genuine Schöpfung.


Wandtafelzeichnung von Rudolf Steiner zum Landwirtschaftlichen Kurs am 16.6.1924. © Rudolf Steiner Archiv

Biografische Quellen

Steiner war Wissenschaftler, Literat, Philosoph und Theosoph – wie konnte er da der Landwirtschaft begegnen? Aufgrund der damaligen Lebensverhältnisse war es ihm gar nicht möglich, ihr nicht zu begegnen, denn um 1900 war in Mitteleuropa 50 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Rudolf Steiner wuchs auf dem Lande auf, zwar auf den Bahnhöfen, wo sein Vater arbeitete, aber neben den Gleisen weidete das Vieh. «Ich bin herausgewachsen so recht aus dem Bauerntum. Ich bin der Gesinnung nach immer dringeblieben. Ich habe – es ist dies in meinem Lebensgang angedeutet –, wenn auch nicht auf so großen Gütern wie hier, aber in kleinem Bereiche Kartoffeln gepflanzt, habe wenn auch nicht gerade Pferde aufgezogen, so doch Schweine oder wenigstens mitgetan dabei, auch teilgenommen in unmittelbarer Nachbarschaft an der Kuhwirtschaft.» (GA 327, S. 235) Als Student an der Technischen Hochschule in Wien belegte er viele naturwissenschaftliche Fächer und eignete sich ein breites Wissen in Naturkunde an, und er hat sich sein Leben lang bezüglich der schnell fortschreitenden Forschung up to date gehalten. Dann brachte er ‹Goethes naturwissenschaftliche Schriften› heraus und erlernte dabei einen zweiten Blick auf die Natur, einen wesensgemäßen Blick. Während seiner Zeit als Hauslehrer bei der Familie Specht hatte er Einblick in die Kontobücher der Textilhandelsfirma des Hausherrn und lernte viel über den weltweiten Handelsverkehr mit Kolonialgütern wie Baumwolle. Er war bekannt und befreundet mit dem Kräutersammler Felix Koguzki, der über tiefes Naturwissen verfügte. Ein weiterer Freund, den er in Siebenbürgen besucht hatte, brachte ein agronomisches Journal heraus (Rudolf Steiner, Mein Lebensgang, GA 28, S. 187). Unter den Theosophen gab es Gutsbesitzer, die er auf ihren Anwesen besuchte und mit denen er Landwirtschaftliches besprach. Zum ‹Kommenden Tag›, einer assoziativen Wirtschaftsgemeinschaft, gehörten auch landwirtschaftliche Betriebe. In dieser Gemeinschaft wurde Anfang der 1920er-Jahre das Coffea-Präparat entwickelt, zusammen mit dem Tierarzt Joseph Werr und anderen. Da waren Stallbesuche an der Tagesordnung. Ergänzend muss noch das profunde medizinische und pharmazeutische Wissen Steiners erwähnt werden, das er seit 1920 in der Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten in der Praxis erprobte. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in dem universellen Horizont, den Rudolf Steiner sich zeitlebens erarbeitet hat, auch die Landwirtschaft ihren Platz hatte.

Dieser Text ist ein Auszug aus einem Artikel, der in der Wochenschrift ‹Das Goetheanum› veröffentlicht wurde. Sie können den vollständigen Artikel auf der Webseite der Wochenschrift lesen.

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