Wie wird es gut?

Wie wird es gut?

04 Februar 2022 924 mal gesehen

Am 2. Februar startete die Jahrestagung der Sektion für Landwirtschaft. Das Thema: ‹Qualität biodynamisch›. Wie kann Demeter-Landbau vom Boden bis zum fertigen Produkt seine hohe und höchste Qualität halten und steigern? Ein Gespräch dazu in der aktuellen Ausgabe der Wochenschrift ‹Das Goetheanum› mit den drei Verantwortlichen Jasmin Peschke, Ueli Hurter und Jean-Michel Florin. Die Fragen stellte Wolfgang Held.


Wie kam es zu dem Thema ‹Qualität› für die diesjährige Jahrestagung?

Ueli Hurter
Das Thema ‹Qualität› gehört zu den Kernfragen des biologisch-dynamischen Landbaus, deshalb widmen wir uns immer wieder der Frage nach der Qualität, dem inneren Gehalt. Mit Jasmin Peschkes Forschungsarbeit zur Ernährung und der Buchveröffentlichung ‹Vom Acker auf den Teller› rückte es jetzt unmittelbar in die Nähe.

Jean-Michel Florin
Der biologisch-dynamische Landbau wächst ja seit einigen Jahren stark an. Das ist erfreulich! Doch nicht nur die Anzahl der Betriebe wächst, die Höfe selbst wachsen zum Teil kräftig, Erzeugung und Verarbeitung werden professioneller und effizienter. Da stellen sich die Betriebe natürlich die Frage, wie es gelingt, die hohe Qualität beizubehalten und sie nicht gegenüber höherer Effizienz zu verlieren.

Das betrifft die Spanne von Qualität und Quantität?


Florin
Ja, das müssen keine Gegensätze sein! So zeigen Landwirte und Landwirtinnen an der Tagung, wie wir mit den Präparaten die Qualität der Lebensmittel verbessern. Da wird es konkret! Gärtnerinnen und Winzer, die Heilpflanzen und Wein anbauen, die mit den feinen Qualitätsfragen vertraut sind, die zeigen uns, wie man die eigene Wahrnehmung hier schulen und tatsächlich die sinnlich wahrnehmbare Qualität beeinflussen kann mit den Präparaten. Das sagen die Winzer und Winzerinnen, doch warum soll das nicht für alle Produkte gelten.

Auf dem Teller ist dann die Qualität bei uns angekommen. Das ist dann die Frage an dich, Jasmin, als Ernährungsfachfrau.


Jasmin Peschke
Ja, die Qualitätsfrage hat ja die Menschen um Rudolf Steiner veranlasst, nach einer spirituell orientierten Landwirtschaft zu fragen. Sie führte zum Landwirtschaftlichen Kurs, denn die Landwirte bemerkten, dass die Bodenfruchtbarkeit nachlässt und die Produkte ihre Qualität verlieren. In diesem Zusammenhang zur Qualität verstehe ich auch, wie sich Rudolf Steiner gegenüber Ehrenfried Pfeiffer äußert. Pfeiffer fragte ihn nach dem, was man heute Handlungsgap nennt. Wie komme es, dass die Menschen studieren und geistige Einsichten gewinnen, aber dennoch nicht danach handeln, keine Initiative ergreifen. Da antwortete Rudolf Steiner, dass es an der Ernährung liege. So wie die Produkte beschaffen seien, befähigen sie uns nicht mehr, das Geistige ins Physische zu führen. Ja, das ist eine Qualitätsfrage. Und deshalb ist es auch wichtig, das an der Tagung aufzugreifen. Wenn sich jetzt bald die hundert Jahre Landwirtschaftlicher Kurs runden und Demeter-Produkte immer bekannter werden, vor allem in Mitteleuropa, wo sie in Supermärkten präsent sind, ist es wichtig, dass wir uns der Qualität auf allen Ebenen der Ernährung bewusst werden.

Dabei sind die Voraussetzungen für Demeter-Produkte sehr gut: Bei vielen Kundinnen und Kunden lebt das Gefühl, dass Demeter-Produkte etwas besser seien. Das begegnet mir auch bei Handelsschulungen. Da bestätigen die Fachleute der Supermarktketten, dass Erzeugnisse aus dem biodynamischen Landbau ein hervorragendes Image haben, ein Image, wie biologischer Landbau eigentlich sein sollte. Das ist ein sehr positives Bild. Aber es interessiert natürlich auch, wie es dazu kommt, was eigentlich dahintersteckt. Und das ist die Qualitätsfrage! Dabei geht es nicht nur darum, ‹was› man tut, sondern auch, ‹wie› man es tut.

Dieser Text ist ein Auszug aus einem Artikel, der in der Wochenschrift ‹Das Goetheanum› veröffentlicht wurde. Sie können den vollständigen Artikel auf der Website der Wochenschrift lesen.


Titelbild: Schwarzer Holunder: Die violetten Beerendolden werden eingekocht zum fruchtig-saftig gesunden Wintertrunk. Aus der Recherche zur Reihe ‹KlosterFarbenDinner› von Nina Gautier