Das schöpferische Potenzial erschließen

Das schöpferische Potenzial erschließen

27 Februar 2024 Christiane Haid 895 mal gesehen

Drei Sektionen, die sich mit dem künst­lerischen Schaffensprozess befassen, führen das Projekt ‹Das Schöpferische im künstlerischen Prozess – eine Notwendigkeit für Mensch und Gesellschaft› durch.


Die gegenwärtige von digitalen und technischen Prozessen dominierte Kultur mechanisiert den Menschen, beraubt ihn seiner Lebenskräfte und letztendlich seiner Menschlichkeit, was zur Zerstörung seiner selbst, der Kultur und der Natur führt. Mit dem berühmten Ausspruch «Jeder Mensch ist ein Künstler» hat Joseph Beuys das notwendige Verwandlungsmotiv der Zeit und damit die zentrale Zukunftsaufgabe formuliert. Im Üben künstlerischer Fähigkeiten kann sich jeder Mensch seines schöpferischen Potenzials bewusst und damit für die lebendigen Prozesse innerhalb seiner selbst, der Mitmenschen und der Natur sensibilisiert werden. Aufgabe unseres Forschungsprojekts ist es, die Wirkungsebenen des schöpferisch Lebendigen, des Ätherischen zu beschreiben und durch Übungen aus Malerei, Bildhauerei, Architektur, Musik, Eurythmie und Kunstbetrachtung erlebbar zu machen.

Freiheitsfähigkeit, Selbstbestimmung und Sozialität

Künstlerisches Üben ist heute kein optionaler Zusatz oder verzichtbarer Luxus, sondern die Grundlage eines freien, selbstbestimmten Lebens in der technisierten Welt. Der Kunst ist als inneres Gesetz die Freiheit eingeschrieben. Im künstlerischen Üben und Schaffen kann der Mensch sein Freiheitswesen entdecken und pflegen. Es wird ein Gegengewicht zu den unbewusst das Denken und Handeln formenden technischen Strukturen und Abläufen geschaffen. Künstlerische Tätigkeit ist daher existen­ziell und nicht nur professionell arbeitenden Künstlern vorbehalten.

Ein erster Schritt des Projekts wird sein, die Wirkung von Kunst im Hinblick auf die oben skizzierten Fragestellungen theoretisch zu erforschen. Es gibt hierzu bereits in der Kunsttherapie und Kunstdidaktik Ergebnisse, die eine Grundlage bilden. In einem nächsten Schritt sollten Übungsseminare und einfache Handreichungen entwickelt werden, wie künstlerisches Arbeiten in den Alltag eines jeden Menschen integriert werden kann.

Das Projekt wird von der Sektion für Bildende Künste, der Sektion für Redende und Musizierende Künste und der Sektion für Schöne Wissenschaften konzipiert. Fragen, die Digitalisierung und Technisierung betreffen, fließen aus einem Forschungsprojekt der Sektion für Schöne Wissenschaften ein. Von 21. bis 22. Juni 2024 ist ein erstes Treffen für alle am Thema Interessierten am Goethe­anum geplant, bei dem die Arbeitsweise und das Vorgehen gemeinsam erarbeitet werden.


Spenden Sektion für Bildende Künste

100 Jahre Hochschule und ihre heutige Forschung

Mit der Weihnachtstagung 1923/24 wurde auch die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft inauguriert. Im Vorfeld der 100-Jahr-Feier hat die heutige Goetheanum-Leitung aktuelle Forschungsvorhaben der Hochschule in der Broschüre ‹Einblicke› do­kumentiert. Einige der Projekte werden in ‹Anthroposophie weltweit› vorgestellt.

Sebastian Jüngel