Emanzipation durch Landwirtschaft

Emanzipation durch Landwirtschaft

01 Dezember 2022 Sebastian Jüngel 2838 mal gesehen

Die biodynamische Marke Demeter ist weltbekannt; die Grundlagen der biodynamischen Landwirtschaft weniger. Die Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum erschließt ein Jahr vor dem 100-Jahres-Jubiläum diesen Ansatz als Fortführung eines menschheitlichen Kulturimpulses und hat die Ökoaktivistin Vandana Shiva eingeladen, am Goetheanum über die Beziehung von Mensch und Erde zu sprechen.


«Landwirtschaft ist ein seit rund 12 000 Jahren währender Kulturimpuls, der zur wachsenden Emanzipation des Menschen führt.» Mit diesem Gedanken macht Ueli Hurter, Co-Leiter der Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum, darauf aufmerksam, dass Landwirtschaft mehr ist, als Nahrungsmittel zu produzieren. Indem Menschen nicht mehr jagten und sammelten, sondern sesshaft wurden, Ackerbau und Viehwirtschaft betrieben, wuchs ihre Unabhängigkeit von äußeren Faktoren. Sie entwickelten und optimierten Saatgut, züchteten Tiere und gestalteten die Natur- zu einer Kulturlandschaft, lösten sich von der Bindung an Obrigkeiten. Seit der Industrialisierung der Landwirtschaft zeigt sich auch, wie sie Bodengesundheit, Tierwohl und Weltklima gefährdet.

Das war nicht immer so. Das zeigt der Blick auf antike Kulturen, die teils bis in die Gegenwart fortwirken. So sind gesunde Beziehungen zwischen Menschen sowie zwischen Mensch und Erde Vandana Shiva aus Indien ein Anliegen. Seit dem 20. Jahrhundert aktualisiert die biodynamische Landwirtschaft den ganzheitlichen Umgang des Menschen mit der Erde, wirkt klimaschützend durch CO2-Bindung im Boden und bringt Produzierende, Verarbeitende, Vertreibende und Konsumierende in einen bewussten sozialen Zusammenhang.

Die Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum erschließt ein Jahr vor dem 100-Jahres-Jubiläum der biodynamischen Landwirtschaft deren Grundlagen, Herkunft und Entwicklung weltweit. Reflektiert wird dabei auch die Vereinnahmung in Deutschland durch den Nationalsozialismus. Die zahlreichen und starken Pionierinnen der biodynamischen Landwirtschaft werden ins Bewusstsein genommen; heute erhalten in vielen Ländern bevorzugt Frauen Mikrokredite für ihre Tätigkeit in der Landwirtschaft. Die Sektion für Landwirtschaft hat 2021 die Zusammenarbeit mit klimaaktiven jungen Menschen gesucht; 2023 lädt sie sie ein, die Biodynamik als zukunftsfähigen Kulturimpuls mitzugestalten.


Tagung (Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch) Landwirtschaft als Kulturimpuls. Ein Rückblick als Vorblick auf 100 Jahre Biodynamik, 1. bis 4. Februar 2023, Goetheanum

Titelbild Konferenz für Lehrer der biologisch-dynamischen Landwirtschaft in Simbabwe (Kufunda Village), 2022 (Foto: Maaianne Knuth)