Faust wird jünger

Faust wird jünger

01 Juli 2022 Wolfgang Held 1306 mal gesehen

‹Faust 1 und 2› kommt in der Regie von Andrea Pfaehler im dritten Jahr erstmals ohne Corona-Beschränkungen in einer neunstündigen Fassung auf die Goetheanum-Bühne. Mit dabei sind junge Darstellerinnen und Darsteller.


«Sobald du dir vertraust, sobald weißt du zu leben.» Das verspricht Mephisto. Mehr als der Hexentrank ist es dieses Ja zu sich selbst, das verjüngt, das die Tür zur Welt und Liebe aufstößt. Diesen Satz hat sich das Projektensemble der ‹Faust›-Inszenierung am Goetheanum als Motto gegeben.

Äußerlich heißt das, Rollen wie Gretchen, Helena, Lieschen, Valentin und Wagner mit 20-Jährigen zu besetzen. Andrea Pfaehler, die Regisseurin vom ‹Faust› am Goetheanum, hat die erfahrenen jungen Spielenden von der von ihr geführten ‹Jungen Bühne› geholt. So spielen drei Generationen mit, denn Urs Bihler, einer der vier Mephistos, feiert dieses Jahr seinen 78. Geburtstag. Johann Wolfgang Goethe hat 70 Jahre am ‹Faust› gearbeitet und erzählt ein 100-jähriges Faust-Leben – also sollte auch auf der Bühne das ganze Leben zu sehen sein.

Innerlich bedeutet die Verjüngung, die Szenen dynamisch aufeinander folgen zu lassen und sich auf den Kern der Erzählung zu konzentrieren.

‹Faust› am Goetheanum ist ein Projekt in Entwicklung. Jedes Jahr wurde an 100 Stellen der Tragödie korrigiert, gefeilt und neu verwirklicht. Jedes Jahr trifft der ‹Faust›-Stoff auf eine andere Zeit. «Dieses Jahr haben die Geisterarmeen, die der Teufel im Krieg erscheinen lässt, eine bedrückende Aktualität», sagt Dramaturg Wolfgang Held. Und ergänzt: «Mit ‹Faust› suchen die Mitwirkenden Begegnung und Gespräch mit allen an Kultur Interessierten und dokumentiert das Goetheanum seinen Platz im Kulturleben der Nordwestschweiz.»


Aufführungen
8. bis 10. Juli 2022, mit Rahmenprogramm der Allgemeinen Anthroposophischen Sektion
15. bis 17. Juli 2022, mit Rahmenprogramm der Sektion für Redende und Musizierende Künste
23. bis 24. Juli 2022, ohne Rahmenprogramm

Web ‹Faust am Goetheanum›

Titelbild Homunculus-Szene beim ‹Faust› am Goetheanum (Foto: Lucia Hunziker)