Götz Werner, der Allesverschenker

Götz Werner, der Allesverschenker

17 Februar 2022 Gerald Häfner 2071 mal gesehen

Ein Moment, wie er Hunderte Mal geschah und ich ihn, wenn wir zusammen zu Vorträgen unterwegs waren, in Teilen miterleben durfte: Götz Werner besuchte in allen Städten, in die er kam, seine dm-Filialen. Gerald Häfner schreibt über seine Begegnungen mit Götz Werner im aktuellen Heft der Wochenschrift.


Er besuchte die dm-Filialen nicht, wie man meinen könnte, zum Gespräch mit dem Filialleiter, sondern er sprach mit allen Mitarbeitenden, denen er begegnete, ganz persönlich, herzlich, interessiert, fragte, wie es ihnen geht, wie ihnen die Arbeit gefällt oder wie sie die Menschen wahrnehmen, wenn sie an der Kasse stehen. Nicht auf Äußeres zielten seine Fragen, sondern immer auf das Herz, auf die Beteiligung, das Engagement der Menschen.

Einmal lehnte er sich bei einem solchen Filialbesuch mit einer Mitarbeiterin an ein Regal, wobei ein Regalbrett herunterfiel, weil es nicht richtig befestigt war. Da sagte die Verkäuferin, dass das schon länger kaputt sei. Sie habe das dem Marktleiter gesagt, aber er habe noch nichts unternommen. Zu was führte das? Götz Werner sagte, dass es doch absurd sei, wenn sie, die das Problem sehe, es dann nicht selbst lösen könne, sondern warten müsse, bis ihr Vorgesetzter es entschieden habe. Es müsse doch so sein, dass jeder selbst entscheiden und die Probleme in seinem Arbeitsfeld selbständig lösen kann. Nach diesem Ereignis änderte er die Organisation seines Unternehmens. Hier sieht man Götz Werners unglaubliches Vertrauen auf die Kraft des Denkens, der Erkenntnis – der eigenen, aber mehr noch der in allen Menschen. Man muss den Menschen nicht Anweisungen geben, sondern man muss sie darin unterstützen, Zusammenhänge zu verstehen. Dann sind sie selbst fähig und motiviert, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Jeder Mensch ein Unternehmer

Ich glaube, dass das viel zu wenig gewürdigt ist, dass er bei dm diese Kultur einer selbstbestimmten Arbeit und dialogischen Zusammenarbeit als Modell und Vorbild für alle anderen Unternehmen begründet und fortwährend weiterentwickelt hat. Götz Werner hat nicht nur mit Europas Marktführer im Drogeriehandel einen enormen Unternehmenswert geschaffen, er hat vor allem auch 66 000 Menschen ermöglicht, sinnerfüllt zu arbeiten. Sein Bild war und ist, dass in jedem Menschen diese Fähigkeit zur Selbstverantwortung schlummert. Wenn Joseph Beuys uns zuruft: «Jeder Mensch ist ein Künstler!», dann ruft Götz Werner: «Jeder Mensch ist ein Unternehmer!»

Dieser Text ist ein Auszug aus einem Artikel, der in der Wochenschrift ‹Das Goetheanum› veröffentlicht wurde. Sie können den vollständigen Artikel auf der Website der Wochenschrift lesen.

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Bild : Goetz Werner, Fotograf : Stefan Pangritz