Tagung zum Menschenbild des Transhumanismus

Tagung zum Menschenbild des Transhumanismus

27 September 2019 Christiane Haid 5561 mal gesehen

Die Technik der Zukunft verspricht eine Befreiung von den menschlichen Urerfahrungen Krankheit, Alter und Tod. Mit dem Download des Bewusstseinsinhalts des menschlichen Gehirns auf eine Maschine soll ‹Unsterblichkeit› erlangt werden. Der Mensch ist jedoch mehr als ein Speichermedium: Er ist vor allem Schöpfer.


Transhumanismus bedeutet, menschliche Grenzen mittels Technik zu überschreiten. Durch genetische, neurotechnische, prothetische und pharmakologische Eingriffe wird der Körper geformt, werden Gefühle und neurologische Prozesse gesteuert und mit dem Ziel optimiert, Krankheit, Alter, Leid und Tod zu überwinden und in letzter Konsequenz abzuschaffen. Der Gedanke, sich selbst nach der bevorzugten Gestalt zu gestalten, reicht bis in die Zeit der Renaissance, als das rationale das metaphysische Menschen- und Weltverständnis ablöste. Beispielsweise schreibt Pico della Mirandola (1463-1494) in seiner Rede ‹Über die Würde des Menschen›: «Du sollst dir deine [Natur] ohne jede Einschränkung und Enge nach deinem Ermessen […] selber bestimmen.» Die Selbsterschaffung interpretieren die Transhumanisten rein technisch, ohne eigene Anstrengung und eigenen Willen, ohne eigene innere Entwicklung – ein Ausdruck von Selbstvergessenheit.

Hier setzt die Sektion für Schöne Wissenschaften am Goetheanum an. «Jede Technik schafft Freiräume. Sie kann uns aber nicht abnehmen, dass wir uns aus uns selbst heraus entwickeln – aus unserem schöpferischen Ich heraus», sagt Christiane Haid, Leiterin der Sektion für Schöne Wissenschaften am Goetheanum. Das Schöpferische kommt gerade nicht von außen, sondern liegt als Vermögen dem Menschensein zugrunde. Den Menschen dabei zu unterstützen, ist ein Anliegen der Sektion. Bereits bei der Begegnung zweier Menschen treten «Augenblicke geistiger Schöpfungen» ein, wie es die Germanistin Ariana Eichenberg nennt. Eine Pflege und Entwicklung des Schöpferischen findet in der Kunst statt, seit je Neuschafferin von Wirklichkeiten. Diesen Fragen gehen Christiane Haid und Ariane Eichenberg auch in ihrem Forschungsprojekt ‹Humanisierung des Menschen durch Literatur› nach, das zur Tagungsreihe ‹Das Ende des Menschen?› führte, die erstmals 2018 am Goetheanum stattfand und in diesem Jahr eine Fortsetzung findet.


Tagung Das Ende des Menschen? Wege durch und aus dem Transhumanismus, 18. bis 20. Oktober 2019, Goetheanum

Mit des Schriftstellerin Marica Bodrožić und anderen Web