Ausstellung über die Stenografin Helene Finckh

Ausstellung über die Stenografin Helene Finckh

02 Juli 2026 Sebastian Jüngel 42 mal gesehen

Das Goetheanum bietet in den letzten Jahren vermehrt frei zugängliche Informationen über Anthroposophie. Neu im Gartenpark orientiert das Arbeitshaus von Helene Finckh über die Stenografin von rund einem Drittel der Vorträge Rudolf Steiners. 


«Helene Finckh hat hier gearbeitet – sie war bei einem Drittel der Vorträge Rudolf Steiners dabei und hat zugehört, stenografiert und ausgeschrieben. Das ist die Grundlage der heutigen Rudolf-Steiner-Gesamtausgabe.» Das sagt Stefan Hasler, Mitglied des Vorstands der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, die Trägerin des Goetheanum ist.

Helene Finckh (1883–1960) war Handelslehrerin und ausgebildete Stenografin nach dem System Stolze-Schrey. Erfahren in Eil- und Debattenschrift sowie durch Wettschreiben vorbereitet, begann sie 1915 damit, im Laufe der Zeit an die 1700 Vorträge Rudolf Steiners zu dokumentieren. Sie entwickelte eigene Kürzel für häufig verwendete Begriffe. Beispielsweise hielt sie Rudolf Steiners Anrede des Publikums mit «Meine lieben Freunde» als Ausrufezeichen fest. Zusätzlich zu fast allen Vorträgen, die Rudolf Steiner in Dornach, Schweiz, hielt, begleitete sie ihn 1921 bis 1924 auf Reisen nach Norwegen, Großbritannien und in die Niederlande. Auch nach dem Tod Rudolf Steiners 1925 und dem von Marie Steiner 1948 blieb Helene Finckh als Stenografin und als Mitarbeiterin im Vortragsarchiv tätig.

Ihre Arbeitsweise beschrieb Helene Finckh so: «Ich habe mich ganz auf die Laute konzentrieren müssen; das Nachdenken über den Inhalt, das kam später, wenn ich das Stenogramm in die Maschine übertrug.» Anschließend las sie das Ergebnis Marie Steiner vor, «Satz für Satz», was zu «notwendigen Korrekturen» und später dann zur Publikation führte.

«Das Rudolf-Steiner-Archiv und das Goetheanum haben diesen Raum neu eingerichtet. Wir erfahren etwas über Helene Finckhs Leben und ihre Arbeit, sehen eine Schreibmaschine aus ihrer Zeit und eine Kopie ihres Schreibtisches.» So fasst Stefan Hasler die Ausstellungsinhalte zusammen. Dazu gehört auch der Hinweis, dass das Werk von Helene Finckh durch den Brand des ersten Goetheanum in der Silvester-Nacht 1922/23 gefährdet war, jedoch durch Abtransport in einer Wolldecke gerettet werden konnte.


Helene-Finckh-Haus Goetheanum, Hügelweg Nr. 64a, 4143 Dornach, Schweiz
Öffnungszeiten samstags, 15 bis 16 Uhr 
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