Brief von Justus Wittich
Liebe Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft!Herzlich möchte ich Ihnen für das auf der Generalversammlung ausgesprochene Vertrauen und Ihre Zustimmung zu meiner weiteren Mitwirkung im Vorstand und als Schatzmeister der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft danken.
Auch die Mitarbeiterschaft des Goetheanum hat sich offensichtlich darüber gefreut, dass die Zusammenarbeit fortgesetzt werden kann. Beide Voten empfinde ich als einen ernsten Auftrag für mich.
Dichte Wochen gingen der Generalversammlung und der Jahreskonferenz der anthroposophischen Weltgesellschaft mit zusätzlichen Konferenzen der verantwortlichen Repräsentanten aus 30 Ländern voraus. Das Goetheanum ‹brummte› nur so, vor allem weil gleich darauf mehr als 1100 Erzieherinnen aus Kindergärten in aller Welt und anschließend 700 Waldorfschüler/innen – alle unter dem Motto ‹Waldorf 100› – das Gebäude und den Campus bis in die letzte Ecke belebten. Hier konnte das Goetheanum in seiner Herzfunktion für eine kräftige Bewegung mit Zukunft wahrgenommen werden.
Bejahen des werdenden Menschen
Zusammen mit meinen Mit-Vorständen Joan Sleigh (für die englischsprachige Welt), Constanza Kaliks (zugleich Jugendsektion) und Matthias Girke (zugleich Medizinische Sektion) sowie den anderen Sektionsleitenden des Goetheanum fühlen wir uns im eingeschlagenen Kurs für die Anthroposophische Gesellschaft bestärkt und ermutigt.
‹Im Herzschlag der Zeit› ist unser Motto in diesem Jahr, verbunden mit der Frage nach einem Wirksamwerden der Anthroposophie in ihrem bald beginnenden zweiten Jahrhundert. Wie wird zum Beispiel im Sozialen gestaltet, die Zukunft im Handeln kennengelernt und überall der werdende Mensch bejaht? Konkrete Beispiele aus aller Welt, wie die Erkenntnis eines geistigen Zusammenhanges lebenspraktisch wird, haben uns begeistert. Dazu ist eine Anthroposophische Gesellschaft notwendig! Jetzt gilt es, zusammen mit Ihrer Initiative und Tätigkeit vor Ort und in Ihrer Lebenssituation die Aufgabe und das Bild der Anthroposophischen Gesellschaft zu wandeln und sichtbar zu machen – denn nur gemeinsam wird uns dies gelingen.
So geht unser herzlicher Aufruf vor allem auch an alle Mitglieder der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft! Als Repräsentant der ‹anthroposophischen Sache‹ benötigen wir Ihr Engagement in der Arbeit vor Ort, in den Zweigen oder Gruppen (auch in der Region oder Landesgesellschaft). Bringen Sie Ihre Erfahrungen und Sachthemen, mit denen Sie beruflich oder erkenntnismäßig in der Hochschule verbunden sind, insbesondere auch sich selbst rein menschlich mit in die anthropossophische Arbeit in Ihrer Umgebung ein. Nur so kann die Hochschule die «Seele der Anthroposophischen Gesellschaft» (Rudolf Steiner) werden und zur Überwindung der Nöte der Gegenwart beitragen.
Sind Sie in einer anthroposophisch orientierten Institution oder Unternehmung tätig, lohnt es sich zu prüfen, ob diese schon der Charta unserer World Goetheanum Association beigetreten ist und so im Verbund der weltweiten Tätigkeiten aus anthroposophischen Impulsen aktiv mitwirken kann. Weisen Sie Menschen auf das interessante World Goetheanum Forum zu Michaeli 2019 hin (www.worldgoetheanum.org) sich zivilgesellschaftlich engagieren
Und schließlich gilt es, sich individuell für zivilgesellschaftliche Einsätze zu wappnen, denn zurzeit gibt es Bevormundung gegenüber freien Entscheidungen des Einzelnen – etwa im Bereich der Anwendung anthroposophischer oder komplementärmedizinischer Therapien und Arzneimittel – auch in als liberal geltenden Ländern wie denen Skandinaviens. Ähnlich verhält es sich mit einem staatlich verordneten Impfzwang oder der Digitalisierung der Schule. Aus der bewussten Erkenntnisbemühung und Pflege des Lebens im Zusammenhang der Anthroposophischen Gesellschaft könnten Initiativen und Allianzen für zivilgesellschaftliches Engagement erfolgen.
Gelingt eine solche Haltung aus dem erkenntnis- und schulungsmäßigen Umgang mit Anthroposophie, so kann die Anthroposophische Gesellschaft die Wirksamkeit der Geisteswissenschaft mit ihren vielfältig die lebenspraktischen Verhältnisse heilenden Beiträgen immer wieder erneut sichtbar werden lassen – was auch für viele jüngere Menschen ein klares Ziel sein könnte.
In diesem Sinne freuen wir uns in der Goetheanum-Leitung und der Mitarbeiterschaft sowie mit den Verantwortungsträgerinnen und -trägern in aller Welt mit Ihnen auf das bevorstehende Arbeitsjahr bis zur nächsten großen Jahreskonferenz in der ersten Aprilwoche 2020. | Ihr Justus Wittich, Goetheanum