Digital abgestimmt

Digital abgestimmt

28 April 2021 Sebastian Jüngel 13 mal gesehen

Die Generalversammlung fand am 27. März mit rund 270 Mitgliedern auf dem deutsch- und rund 110 Mitgliedern auf dem englischsprachigen Kanal digital statt.*


Die Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft fand 2021 erstmals als digitale Veranstaltung statt. Geschuldet war diese Form den behördlichen Maßnahmen zum Eindämmen der Verbreitung von Sars-CoV-2.

Live aus dem Schreinereigebäude am Goetheanum begrüßte aus dem Vorstand Justus Wittich um 13 Uhr die Mitglieder weltweit zu ihren jeweiligen Tageszeiten.

Sein Vorstandskollege Ueli Hurter nannte stellvertretend für die Aktivitäten am Goetheanum die Auseinandersetzung mit der Corona-Pandemie. Dazu gab und gibt es Vortragsreihen, die zunächst multiperspektivisch Ursachen und Umfeld dieser Pandemie herausarbeiteten. In der neuen Vortragsreihe ‹Leben und Gesellschaft im Umbruch› werden auch Vorschläge für das gesellschaftliche Leben entwickelt.

Andersheit bejahen

Constanza Kaliks stellte das Anliegen einer kosmopolitischen Gesellschaft dar. In einer solchen gehe es darum, die Andersheit des anderen zu bejahen, sie ‹erlauben› zu können und zu wollen, dass es sie gibt.

Das Anliegen, gegen Rassismus vorzugehen, war und ist Thema in der Anthroposophischen Gesellschaft weltweit. Denn im Zentrum der Anthroposophie steht die Würde des Menschen. Grundsätzlich gehe es darum, die innere Kraft der Mitte, die Besinnungskraft und das Richtige aus der Situation zu finden – aus Herzensgewissheit heraus. (Am 7. Juli 2020 veröffentlichte der Vorstand am Goetheanum die Erklärung ‹Menschheitliche Ausrichtung der Anthroposophischen Gesellschaft› auf goetheanum.org, die Goetheanum-Leitung gab das Arbeitspapier ‹Anthroposophie und Rassismus› zur Generalversammlung zur Kenntnis).

Justus Wittich ging auf die öffentliche Wirkung der Anthroposophie ein. Er wies darauf hin, dass in öffentlichen Medien in Deutschland immer wieder Beziehungen zwischen Protesten gegen Corona-Maßnahmen und Anthroposoph/inn/en hergestellt werden.

Matthias Girke berichtete aus der Arbeit von Vorstand und Goetheanum-Leitung die Frage nach der esoterischen Berufsarbeit. Besondere Aufmerksamkeit ist dabei der Aufgabe gewidmet, wie immer wieder neue Impulskräfte gewonnen werden können.

Das Goetheanum ist ein Kulturort. Dazu gehört das Bewahren und Sichtbarmachen von Kulturgütern auf dem Campus. Stefan Hasler berichtete aus der Campus-Gruppe vom Umzug des Modells vom Ersten Goetheanum (Rudolf Feuerstack) aus einer Werkstatt- in eine Ausstellungssituation. Als Leiter der Sektion für Redende und Musizierende Künste wies Stefan Hasler darauf hin, dass weiterhin auch auf der Goetheanum-Bühne keine Kunstausübung möglich ist, es also keine Aufführungen des Goetheanum-Eurythmie-Ensembles gebe. Durch das Medium Film gab es Einblicke in die Arbeit an den Mysteriendramen von Rudolf Steiner am Goetheanum (‹Anthroposophie weltweit› Nr. 4/2021).

Entwicklung durch reale Begegnung

Die Pandemiesituation machte Arbeitsfelder der Sektionen der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft deutlich. Dazu gehört die Begegnung von Mensch zu Mensch im gemeinsamen Raum. Dabei geht es nicht zuletzt um wechselseitige Wahrnehmung, an der gerade, aber nicht nur junge Menschen wachsen. Ist ein Sich-Begegnen nicht auf bisherigem Weg möglich, stellt sich die Frage, wie sich die Qualitäten auf andere Weisen erreichen lassen.

Die Pandemie macht auf die Beziehung zum Umfeld, auf die Natur aufmerksam. Ist sie für einen Objekt, ist die Beziehung anders, als wenn sie als Wesenhaft-Lebendiges gesehen wird. Daher ist das Verständnis der menschlichen Sinne und ihrer Aufgabe für die Wahrnehmung der Welt wichtig.

Auch der Blick auf sich selbst bestimmt die Beziehung nach außen. Das führt zurück zur Frage nach den Grundlagen der Hochschularbeit. Ein Aspekt ist zudem das Pflegen einer künstlerischen Tätigkeit.

Freiheit gegenüber eigenen Bindungen, Freiheit anderen zuzugestehen, dadurch findet die Anbindung an die kosmopolitische Zielsetzung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft statt.

Den Schatzmeister beschäftigte 2020 die Frage: Wie kommt das Goetheanum finanziell durch dieses Corona-Jahr? Dem Nichtdurchführenkönnen gerade auch großer Veranstaltungen durch die behördlich verfügte Schließung (wodurch Einnahmen fehlen) steht die zusätzliche finanzielle Unterstützung (Spenden und Legate) gegenüber.

Abstimmungen

Ein Ordnungsantrag zum Verschieben des statutarischen Teils auf die angekündigte außerordentliche Generalversammlung am 11. September 2021 wurde mit 56 Ja-Stimmen, 255 Gegenstimmen und 37 Enthaltungen abgelehnt.

Die Jahresrechnung 2020 wurde mit 318 Ja-Stimmen, zehn Gegenstimmen und 22 Enthaltungen angenommen. Der Vorstand wurde mit 302 Ja-Stimmen, 15 Gegenstimmen und 22 Enthaltungen entlastet.

Die Wahl der Revisionsstelle wurde mit 307 Ja-Stimmen, 3 Gegenstimmen und 32 Enthaltungen bestätigt.

Beim Totengedenken wurden stellvertretend für die verstorbenen Mitglieder Leben und Wirken des Arztes Giancarlo Buccheri (von Georg Soldner, Co-Leiter der Medizinischen Sektion am Goetheanum) und des Bühnenkünstlers und Autors Wilfried Hammacher (von Stefan Hasler) gewürdigt.

Constanza Kaliks schloss die Generalversammlung mit guten Wünschen und im Bewusstsein, dass Mitglieder aus 45 Ländern teilgenommen hatten.


* Seither haben über 1700 Mitglieder die Aufzeichnung der Generalversammlung 2021 im Goetheanum-Login aufgerufen.

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