Dunkelheit überwinden
Indien hat eine Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen – jedes Problem wird dadurch um ein Vielfaches vergrößert. Spirituelle Arbeit hilft, das Umfeld zu reinigen.
Wegen der Befürchtung, dass die Covid-19-Pandemie außer Kontrolle geraten könnte, hat die indische Regierung sehr strenge Maßnahmen eingeführt. In meiner Stadt Mumbai mit 25 Millionen Einwohner/inne/n gibt es überfüllte Armenviertel, in denen die Menschen sehr nahe beieinander leben. Auch die Tagelöhner und Wanderarbeiter, die nach Mumbai gekommen sind, sind jetzt ohne Geld und möchten gern in ihre weit entfernte Heimat zurückkehren. Das ist jedoch leichter gesagt als getan: Die Züge sind überfüllt, die Buskurse zwischen den Bundesstaaten sind rar, und die Armen können nur entweder Hunderte von Kilometern ohne richtiges Essen und Trinkwasser zu Fuß unterwegs sein oder per Anhalter versuchen, zu ihren Häusern und Familien zurückzukehren. Oft begegnen sie polizeilicher Gewalt, viele sind bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen – kürzlich wurden 16 Arbeiter in der Nähe von Aurangabad von einem Zug überfahren. Natürlich wird auch Hilfe geleistet, und es gibt NGOs und herzensgute Menschen, die versuchen, die Situation zu entschärfen. Aber das schiere Ausmaß des Problems und die Apathie der Machthaber machen die Situation eher hoffnungslos.
Man tut, was man kann, um das Umfeld zu reinigen. Eurythmieübungen wie das ‹Halleluja›, das Schreiten der Kronenform, Meditationen und Vorträge von Rudolf Steiner und viel Gesang helfen, die Dunkelheit zu überwinden. Andererseits hat jede Wolke einen Silberstreif: Der Himmel ist klarer, die Natur ist lebendiger und die Luft ist weniger verschmutzt. Auch der unaufhörliche Lärm des Verkehrs ist verringert, was die Aufmerksamkeit für die Umwelt erhöht.
Aus dem Englischen von Sebastian Jüngel.