Eugene Gollogly
Dynamisch, rätselhaft, amüsant, bescheiden, gelassen, warmherzig, weise, lebendig – diese Worte sind nur ein unzureichender Versuch, Gene Gollogly zu charakterisieren.
Als viertes von acht Kindern begann er sein Leben am 4. Ok-tober 1950 in Guisborough (GB), nahe der Ruine des Augustinerklosters St. Mary, die in ihm eine Erinnerung an klösterliche Spiritualität geweckt haben mag.
Weg in die USA
Sein Weg zur Anthroposophie und zum Werk Rudolf Steiners begann in einem relativ jungen Alter. Nach seinem Studium an der London School of Economics suchte er nach einem Ort, an dem er sich als Freiwilliger engagieren konnte, und stieß auf die Camphill-Gemeinschaft von Botton Village. Zu dieser Zeit hatte er gerade seine Mutter verloren. In Botton fand er ein Zuhause, und die Menschen, die er dort traf, wie Brian Rée, spielten eine wichtige Rolle in seinem Leben. Hier begegnete er zum ersten Mal der biodynamischen Landwirtschaft, und hier traf er den Schriftsteller, Forscher und Herausgeber von Rudolf Steiners Werken auf Englisch, Paul Marshall Allen, und seine Frau Joan Allen.
Paul Marshall Allen stellte die Verbindung zu Bernard Garber aus Blauvelt, New York (US), her, einem Immobilienmakler und Verleger. So begann Gene Golloglys lebenslange Verbindung mit dem Verlagswesen.
Als er eine besser bezahlte Arbeit benötigte, verließ er Bernard Garber (in sehr gutem Einvernehmen) und trat in die Welt des New Yorker Verlagswesens ein, wo er die nächsten Jahrzehnte für verschiedene Verlage arbeitete. Später lernte er seinen zukünftigen Geschäftspartner Martin Rowe kennen, mit dem er 1999 Lantern Books gründete.
Anthroposophischer Verlag
Nicht lange nach der Jahrtausendwende übernahm Gene Gollogly, der bereits im Vorstand der Anthroposophic Press saß, zusätzlich die Rolle des Präsidenten und Geschäftsführers dieser Non-Profit-Organisation. Somit schloss sich für ihn gewissermaßen der Kreis zum anthroposophischen Verlagswesen. Er initiierte die jährlichen geisteswissenschaftlichen Forschungsseminare an der New York University, führte den Namen ‹SteinerBooks› für die Firma ein (seit 2018 war er pensioniert, aber noch beratend tätig) und begann seine unermüdlichen Reisen.
In jüngster Zeit, vielleicht aufgrund einer Vorahnung, begann er sich für ‹Sacred Undertaking› zu interessieren, die Kunst und Praxis, sich ganzheitlich um Verstorbene zu Hause zu kümmern. Noch am Tag bevor er starb, assistierte er bei einer häuslichen Beerdigung und trug den Sarg eines Bekannten.
Gene war stolzer Vater von vier erwachsenen Kindern und bekanntlich ein ausdauernder Weltreisender, egal ob auf der Straße, im Flugzeug, im Zug oder im Auto. Er war keiner, der verweilte. Sein für uns überstürzter und entschlossen wirkender Tod war in gewisser Weise für ihn charakteristisch.
Mit Unterstützung von Christopher Bamford.
Aus dem Englischen von Sebastian Jüngel.