«Fluides Geschehen»

«Fluides Geschehen»

27 November 2019 Sebastian Jüngel 11 mal gesehen

Im Zentrum der Neuinszenierung von Goethes ‹Faust 1 & 2› 2020 am Goetheanum stehen die Fragen nach Schuld, Verantwortung und Verwandlung.


Faust ist kein unbescholtener Held.» Andrea Pfaehler, Regisseurin der Neuinszenierung von Goethes ‹Faust 1 & 2› am Goetheanum 2020, sieht zudem Faust nah an den Zuschauenden: «Wir sind alle Faust.» Auch in der auf neun Stunden gekürzten Spielfassung beider Teile bleibt es ihr Ziel, «die ganze Geschichte» zu erzählen. Dies geschieht, indem die Inszenierung durch die Art der Darstellung verschiedenartige Erlebnisse evoziert, etwa durch das Herausarbeiten von Verwandlungsprozessen. Diese finden situativ statt, beispielsweise wenn der Gelehrte Faust im Studierzimmer nah dem Freitod ist und durch ein Ostererlebnis ins Leben zurückkehrt und es wie neugeboren ergreift. Er tritt aber auch in Räume ein, die grundsätzlich durch fluides Geschehen und sich wandelnde Wesen geprägt sind, eine Aufgabe für Eduardo Torres, der für das Einstudieren der Eurythmie verantwortlich zeichnet. Die Mächtigkeit dieses Wirkens und das Bestehen des Menschen in seiner Menschlichkeit führen zu einem Handeln mit tragischem Verlauf.

«Wir verschulden uns ständig in dem, was wir tun», sagt Andrea Pfaehler. «Die Frage ist, was wir daraus machen.» Sie spannt damit den Bogen von menschlicher Freiheit über ein Sich-Verschulden bis zur Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. «Das Rätsel, das uns Goethe aufgibt, ist, dass Faust für den Herrgott erst interessant wird, wenn er sich auf das Böse einlässt.»


Premiere Goethes ‹Faust 1 & 2› in neun Stunden, 20./21. Juni 2020, Goetheanum-Bühne

Weitere Aufführungen (im Rahmen von ‹Faust›-Wochenenden mit Vorträgen und Seminaren) 3. bis 5. Juli, 10. bis 12. Juli, 17. bis 19. Juli und 24. bis 26. Juli 2020 Angebot für Schüler/innen 17. bis 19. Juni 2020

Web www.faust.jetzt