Generalversammlung
Am 31. Oktober 2020 fand die Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft am Goetheanum mit rund 140 Mitgliedern nach den Vorgaben des Standortkantons Solothurn statt. Im Zentrum standen die Bestätigung von Ueli Hurter als Mitglied des Vorstands, die neuen Sektionsleitungen und die Finanzen.
Nach der coronabedingten Verschiebung um ein halbes Jahr fand nun die auf einen Tag verdichtete Generalversammlung statt. Als sich – ebenfalls coronabedingt – kurzfristig nur noch 30 Personen versammeln durften, wurden die anwesenden rund 140 Mitglieder auf fünf Räume, technisch miteinander verbunden, verteilt. Waren Anfang April die personellen Veränderungen und die Jahresrechnung 2019 noch aktuell, wirkten Berichte darüber jetzt ‹nachgeholt›, im Inhaltlichen waren sie weiterhin relevant.
Veränderungen im Vorstand: Joan Sleigh verlängerte mit dieser Generalversammlung ihre Amtszeit im Vorstand aus persönlichen Gründen nicht. Sie stellte dar, wie wichtig es ist, in solch einem Amt Kolleg/inn/en zu haben, die – wie in der Goetheanum-Leitung – ihre individuellen Fähigkeiten einbringen und als Gemeinschaft etwaige Unfähigkeiten auffangen. Joan Sleigh wird die Verbindung zum Goetheanum durch konkrete Aufträge weiterhin halten. Dazu gehören ihre Verantwortung im Social Initiative Forum und ihre Aufgabe im Zusammenhang der Klassenstunden der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft.
Ueli Hurter stellte sich der Bestätigung seiner Kooptation in den Vorstand durch die Mitglieder. Er betonte die Notwendigkeit, heute aus einer inneren Haltung heraus tätig zu werden. Damit meinte er unter anderem, dass man in der Gegenwart handelnd und gestaltend tätig ist – auf Grundlage einer ‹Michaelischen Haltung›. 133 Mitglieder stimmten seiner Kooptation zu – bei zwei Gegenstimmen und sieben Enthaltungen.
100 Jahre Anthroposophische Gesellschaft in der Schweiz: Marc Desaules (Generalsekretär seit 2011) und Otfried Doerfler (Generalsekretär 1991 bis 2006) stellten dar, wie vor 100 Jahren die Anthroposophische Gesellschaft in der Schweiz gegründet wurde und von Anfang an die Anbindung an das Geistige suchte – mit kosmopolitischem Zug. Constanza Kaliks sprach seitens des Vorstands am Goetheanum den Dank aus, dass das Goetheanum in der Schweiz sein kann. Sie wies dabei auch auf die Erfahrungen der Schweiz mit der Vielsprachigkeit hin.
Mit Videobotschaften gaben Repräsentant/inn/en der anthroposophischen Arbeit aus Neuseeland, Australien, Schweden, Japan und Indien Einblicke in die Situation und die anthroposophische Arbeit in ihrem Land. Zudem gab es einen Gruß aus Russland.
Leitungswechsel in der Hochschule: Die Leitung der Allgemeinen Anthroposophischen Sektion ging nach der Koordinationszeit durch Joan Sleigh an Constanza Kaliks, Claus-Peter Röh und Peter Selg (‹Anthroposophie weltweit› Nr. 12/2019). Die Sektion hat als Gegenstand den Menschen als einen Werdenden. Damit verbunden ist die Frage nach der Würde des Menschen und nach dem, wie Menschen das, was ihnen in ihrem Leben begegnet, verstehen lernen können. Es geht – angesichts der Krisen der Gegenwart, möglicherweise verbunden mit Erlebnissen der Ohnmacht – darum, Hoffnungskräfte zu entwickeln und das Innere des Menschen mit dem äußeren Geschehen in seinem Wechselverhältnis zu verstehen und in eine Balance zu bringen.
Die Leitung der Naturwissenschaftlichen Sektion ging von Johannes Kühl an Matthias Rang und Johannes Wirz (‹Anthroposophie weltweit› Nr. 5/2020). Diese Sektion versteht zwei ihrer Aufgaben darin, die Naturwissenschaft um den Aspekt der Lebenskräfte zu erweitern und die Erkenntnissicherheit, die die Naturwissenschaft bietet, in die Anthroposophie zu tragen. Es geht dabei darum, Natur- und Geisteswissenschaft miteinander zu verbinden.
Die Leitung der Sektion für Bildende Künste ging von Marianne Schubert an Christiane Haid (‹Anthroposophie weltweit› Nr. 5/2020), die weiterhin die Sektion für Schöne Wissenschaften leitet. Sie bildet mit Barbara Schnetzler, Jaike Dunselman, Rik ten Cate und Pieter van der Ree ein Kollegium. Zum Anliegen der Sektion gehört, die Seele durch Kunst anzuregen. Ein Kunstwerk ist dann nicht nur eine abgeschlossene Entität, sondern Teil einer inneren Entwicklung des/der Betrachtenden. Die Umsetzung dieses Impulses findet auch in Form von Ausstellungen statt.
Projekte am Goetheanum: Das Goetheanum als umfassender Campus wird das Wirken des Geistigen im Sinnlichen sichtbarer machen. Unter dem Gesichtspunkt ‹Metamorphose› werden das Modell des Ersten Goetheanum, die Figurengruppe ‹Der Menschheitsrepräsentant› in ihrer Entstehungsgeschichte und Aspekte des Goetheanismus in verschiedenen Räumen aus- beziehungsweise dargestellt; ein weiteres Thema ist das Doppelkuppelprinzip. Im Außenbereich sind Darstellungen zur biodynamischen Landwirtschaft mit Kompostplatz und ein Bienenpavillon geplant.
Wolfgang Held berichtete für die Wochenschrift ‹Das Goetheanum› von einer Auflagensteigerung von rund zehn Prozent.
Entlastung des Vorstands: Justus Wittich skizzierte als Schatzmeister die finanzielle Situation vor allem des Berichtjahres 2019. Die geplante Auflösung des strukturellen Defizits innerhalb von drei Jahren ist nicht gelungen, auch wenn die entsprechenden Jahreshaushalte ausgeglichen waren. Möglich war dies beispielsweise 2019 durch den Verkauf eines Hauses.
Die Jahresrechnung 2019 wurde mit 113 Stimmen bei 14 Gegenstimmen und 11 Enthaltungen genehmigt, der Vorstand mit 114 Stimmen bei 15 Gegenstimmen und 8 Enthaltungen entlastet.
Mit herzlichem Applaus dankte die Versammlung Joan Sleigh für ihre siebenjährige Amtszeit im Vorstand. Sie kehrt nach Südafrika zurück.
Anträge und Anliegen: Der Antrag von Robert Jan Kelder ‹Das neue Christentum wollend in Liebe der Welt verbinden zur Gesundung von Mensch und Erde› wurde kurz von Justus Wittich vorgestellt; auf Wunsch der Mehrheit trat die Versammlung nicht in eine Debatte ein.
Der Antrag von Andreas Worel zum Untertitel der Wochenschrift ‹Das Goetheanum› (‹Internationale Wochenschrift für Anthroposophie und Dreigliederung›) wurde von ihm für dieses Jahr zurückgestellt.
Das Anliegen von Eugen Meier zur Rehabilitierung von Herbert Witzenmann wurde nicht weiter behandelt.
Die nächste ordentliche Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft findet am Wochenende 26. bis 28. März 2021 im Goetheanum statt.