Gesellschaft im Umbruch

Gesellschaft im Umbruch

28 April 2021 Sebastian Jüngel 21 mal gesehen

Die Goetheanum-Leitung befasst sich in einer Reihe mit Leben und Gesellschaft im Umbruch. Der Ansatz ist dialogisch – eingeladen sind auch Gastredner/innen.


Menschliche Gesellschaften durchleben komplexe Transformationsprozesse: Aktuell machen das Klima, die Suche nach angemessenen Formen des Zusammenlebens, die Stellung der Individualität und die Digitalisierung auf Beziehungsfragen aufmerksam. Das Goetheanum regt dazu einen transdisziplinären Dialog an.

«Durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie treten bisher so nicht gekannte Phänomene und Konsequenzen zutage, die unser Leben massiv einschränken und prägen.» So Christiane Haid, Leiterin der Sektionen für Schöne Wissenschaften und für Bildende Künste am Goetheanum. «Dabei wollen wir nicht stehenbleiben. Denn wir können die Zukunft eigenverantwortlich und konstruktiv gestalten.»

Vernetztes Denken

Die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Umbrüchen zeigt typische Verhaltensweisen wie Verleugnen, Verärgerung und Rückzug, Depression. Für ein Leben nach der Krise ist Arbeit angesagt, sind doch die Aufgabenbereiche komplex. «Es braucht vernetztes Denken, das auf einem multidisziplinären Zusammenwirken basiert. Das setzt ein dialogisches Vorgehen voraus», sagt Ueli Hurter, Co-Leiter der Sektion für Landwirtschaft und Vorstand am Goetheanum. Christiane Haid und Ueli Hurter sind mit der Goetheanum-Leitung davon überzeugt, dass auch die aktuellen Krisen aktiv angegangen werden können – durch eine transdisziplinäre Zusammenarbeit und in Dialog mit Expertinnen und Experten, die ans Goetheanum eingeladen werden.

Umbrüche sind Ausdruck gestörter Beziehungen, zwischen Menschen und gegenüber Natur und Kosmos. Beispielsweise macht die Klimakrise auf das Verhältnis Erde und Sonne aufmerksam. Richtet sich der Blick ausschließlich nach oben in die Atmosphäre, geht die Aufmerksamkeit nach unten verloren, wo auf dem und im Boden ein Beitrag zum Klima liegt: Wälder als grüne Lungen und Erde als Kohlendioxidbinder.

Für den Entwurf von Szenarien aus der Krise dienen oft Algorithmen, die auf Grundlage von Daten und Modellen Prognosen für die Zukunft erstellen. Dieses Prinzip der digitalen Welt ist leistungsfähig und leitet Zukunft aus bestehenden Abläufen beziehungsweise aus der Annahme ab, dass es sich dabei um Muster handelt. Die Suche nach die Zukunft neu gestaltenden Ideen setzt anderswo an. Etwa wenn sich der Mensch zugesteht, mehr als ein biologisches System – nämlich schöpferisch und inspirationsfähig – zu sein. Eine Konsequenz daraus kann eine Schulung sein, die Wissen und Fähigkeiten so veranlagt, dass gerade auch unerwartete Herausforderungen kreativ angegangen werden können. In diesem Sinne ist Kultur systemrelevant.

Öffentlich sichtbares Hochschulkollegium

Die Vortragsreihe ‹Leben und Gesellschaft im Umbruch› bildet einen Teil eines Projekts einer gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit der Goetheanum-Leitung. Dementsprechend soll der Zugang zu den Vorträgen barrierefrei, ohne Kostenbeteiligung sein, um eine möglichst große Öffentlichkeit zu erreichen. Die Vortragsreihe wurde und wird in ihren Grundlagen gemeinsam von der Goetheanum-Leitung erarbeitet und in der Durchführung getragen. Auf diese Weise wird das Hochschulkollegium des Goetheanum öffentlich wirksam und erkennbar im Diskurs von Zeitfragen.


Reihe (Deutsch, Englisch) Leben und Gesellschaft im Umbruch, montags, 20 Uhr, 12. April bis 28. Juni 2021, Zugang gratis