Leben verstehen
Die Vorstufe des heutigen Forschungsinstituts der Naturwissenschaftlichen Sektion feiert 2021 seinen 100. Jahrestag mit der Frage nach dem Verständnis von Leben.
2021 ist es 100 Jahre her, seit Guenther Wachsmuth und Ehrenfried Pfeiffer das Forschungslaboratorium am Goetheanum gegründet haben. Die beiden versuchten auf Anregung Rudolf Steiners, zuerst in einer Vakuumglocke das ‹Ätherische› zu isolieren. Auf der Suche nach einem ‹Reagenz› für Ätherisches gelang es Ehrenfried Pfeiffer, mit der empfindlichen Kupferchlorid-Kristallisation eine Methode zu schaffen, mit der unter anderem Qualitätsfragen bei Lebensmitteln und Fragen der Disposition für Krankheiten beim Menschen beantwortet werden konnten. Die weitere Entwicklung machte deutlich, dass Lebensprozesse weniger durch ein Reagenz nachzuweisen sind, sondern durch innere Beobachtung, mit der man zeitliche Entwicklungsvorgänge innerlich verbinden kann und beschreibbar macht.
Wir wollen die Biografie dieses Laboratoriums als Teil der nächsten Evolving-Science-Konferenz im Oktober 2021 verfolgen. Wie haben sich Ideen und Methoden, das Thema ‹Leben verstehen› verwandelt? Der Goetheanismus ist dafür die Leitwissenschaft schlechthin und zuallererst eine naturwissenschaftliche Methode. Aber sie kann helfen, Leben und Lebensprozesse aller Art zu bearbeiten: so auch im Rechts-, Wirtschafts- und Geistesleben.
So kann Goetheanismus durch den Einbezug der Innenperspektive neben Erde, Pflanze und Tier auch als Methode zur Erforschung der vier Leiblichkeiten des Menschen – der physischen, ätherischen, astralischen und der Ich-Organisation – beitragen. Da diese Leiber sinnlich-übersinnlicher Natur sind, bildet Goetheanismus damit die Brücke zwischen Natur- und Geisteswissenschaft.