Living Connections

Living Connections

27 September 2022 Claus-Peter Röh 729 mal gesehen

Von 8. bis 11. September fand das Kolloquium ‹Living Connections› mit 50 Arbeitsgruppenleitenden und an Meditation Interessierten am Goetheanum statt.


Sebastian Jüngel Wann wird ein Rückzug aus dem Alltag, verbunden mit innerer Arbeit, zur Meditation?

Claus-Peter Röh
Die verschiedenen Erfahrungen unter den 50 Teilnehmenden zu dieser Frage zeigten sich im Austausch über konkrete Übungen. Ein Ausgangspunkt ist dabei, die Aufmerksamkeit von außen nach innen zu wenden und sich beispielsweise zu fragen: Wann bin ich ganz bei mir? Wie verwandelt sich dabei mein Denken, Fühlen und Wollen in diesem Zustand? Welche Kraft ist es, die mich in eine innere Ruhe führt? In einem nächsten Schritt gilt es, das innerlich Gebildete wieder loszulassen und die bewegten Kräfte neu wahrzunehmen. Schließlich ist wichtig, das individuell Erlebte in einen sachlichen Austausch zu bringen. Dabei wird die Verschiedenheit der Erlebnisse dieses rätselhaften Zustands deutlich, etwa: ‹Wenn ich die gebildete Vorstellung loslasse, ist dann ein ‘Nichts’?› Kann ich einem anderen Übenden den Zustand einer wachenden Erwartung beschreiben?

Erschließen von Handlungsmöglichkeiten

Jüngel Welche Möglichkeiten gibt es beispielsweise für junge Eltern oder Mana­-ge­r/innen, eine meditative Arbeit zu leisten?

Röh
Es geht nicht ohne Innerlichkeit. Eine Mutter von Kleinkindern schilderte, dass sie dazu nur eine Chance vor dem Aufwachen ihrer Kinder hat; am Abend sei sie zu erschöpft. Am Tage signalisierte sie später ihrer Familie einen solchen Moment des Rückzugs mit einem Schild an der Tür. Aus diesem auch nur kurzem Üben kann sich einerseits ein innerer Kraftmoment für den Alltag bilden und andererseits das Bedürfnis, einen Rhythmus des Übens aufzubauen. Eine andere Darstellung war, in den Garten zu gehen und auf das Schwingen zwischen intensiver Naturwahrnehmung und antwortender Innenwahrnehmung zu achten.

Jüngel
Gibt es ein anthroposophisches Blau? Anders gefragt: Wann wird eine Meditation anthroposophisch? Und warum sollte sie es sein?

Röh
Es gibt kein anthroposophisches Blau. Es gibt das menschliche Farberleben und es gibt die Kunst, die ist Kunst. Künstlerische Tätigkeit und Meditation können nun aber von anthroposophischer Arbeit inspiriert werden. Dann zeigen sich in der Sache andere Perspektiven. Der geistige Aspekt der Aktivität kann bewusster werden: Aus freiem Entschluss baue ich Konzentration und Zuwendung auf. Ich nehme das mit hinein, was in der Welt geschieht. Durch diesen Bewusstseinsakt ergeben sich Erlebnis- und Handlungsmöglichkeiten aus Verantwortung anderen Menschen und der Zeit gegenüber.

Jüngel
Können Sie ein Beispiel nennen?

Röh
Im Laufe des Kolloquiums gestalteten Mitwirkende das künstlerische Programm ‹Aus der Stille› mit Musik, Eurythmie und Sprache. Es wurde erlebbar, wie die Übungsintention des Tages in dieses Ereignis floss, das sich zwischen Ausführenden und Miterlebenden abspielte.

Selbstkorrigierende Kraft

Jüngel Es gibt Menschen, an denen Spiritualität erlebbar ist, ohne dass sie – zumindest äußerlich – mit dem anthroposophischen Weg verbunden sind.

Röh
Wir erleben uns verbunden mit vielen Menschen und Menschengruppen, die ernsthaft diese Beziehung zum Geistigen suchen. Jeder muss seine Inspirationsquelle für seine Arbeit, für seine Meditation suchen.

Jüngel
Arbeitet der Vorbereitungskreis von ‹Living Connections›, arbeitet die Leitung der Allgemeinen Anthroposophischen Sektion mit Menschen verschiedener spiritueller Herkünfte zusammen?

Röh
Schon diese 50 Menschen waren hinsichtlich ihrer Herkünfte und Erfahrungswege sehr verschieden, einige sind zum Beispiel durch eine östlich, vielleicht buddhistisch geprägte Lebensphase gegangen. Zur bewussten Arbeitsweise gehört, die eigenen Erfahrungen zu beschreiben und sich mit anderen auszutauschen. Beim Kolloquium wurde deutlich, dass dies in kleineren Formaten fruchtbar ist. Ein besonderer Wert kommt diesem Austausch zu, wenn zwischen den zusammenkommenden Menschen eine selbstkorrigierende Kraft lebt und jede/r etwas vom/von der anderen lernt.


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