Malerei aus Georgien

Malerei aus Georgien

31 Oktober 2019 Ronald Templeton 13 mal gesehen

Am 28. September wurde am Goetheanum die Ausstellung ‹Zeitgenössische Kunst aus Tiflis› eröffnet – der Botschafter Georgiens in der Schweiz war anwesend.


Valerian Gorgoshidze rezitierte, fast zelebrierte im Grundsteinsaal georgische Gedichte in einem aus Licht und Farbenwechsel entstehenden Raum mit den herunterhängenden Buchstaben des georgischen Alphabets, in den Lasha Malashkia immer wieder seine expressive Eurythmie hineinwob. In den Laut-, Wort- und Rhythmusqualitäten ertönte die ganze Palette der Dramatik und Lyrik der klangvollen, vokalischen georgischen Sprache. Bei den in entsprechendes Farblicht getauchten Planeten-Gedichten bauten die eurythmischen Gesten eine Verständnis- und Erlebnisbrücke.

Im ersten Stock hängen die Bilder der sieben bei der Vernissage anwesenden Künstler sowie Bilder des 1991 verstorbenen Irakli Parjiani. In allen Bildern spürt man das tief religiöse Ikonenhafte, fast Mystische wie den orientalischen Einfluss des lebhaften, teils imaginativen Fabulierens. Der Betrachter darf in ein reiches Innenleben eintauchen, auch bei den wenigen Landschaftsbildern.

Zauberhafte, fast orientalische Welt

Empfangen wird man durch ein großes, an Marc Chagall erinnerndes Bild ‹Am Vorabend der Zeit› von Anton Balanchivadze. Man wird wie in eine archaische Märchenwelt gezaubert: Es umgeben einen Wesen, und es ist, als ob sie zu einem sprechen. In den Bildern von Irakli Parjiani spürt man die Erfahrungswelt des Künstlers. Mit den Mitteln des Hell-Dunkel verdinglicht er das Erlebnis, und es ist, als wäre der Betrachter dabei.

Auch ‹abstrakte› Bilder sieht man. Eines mit dem Titel ‹Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goethe’schen Weltanschauung› von Mischa Pitskhelauri zeigt das aufbauende Verhältnis des Ahnenden zur grauen, von ihm getrennten, sinnlichen Welt. Keti Matabeli entführt in die zauberhafte, fast orientalische Welt des georgischen Nationalepos ‹Der Recke im Tigerfell›.

Es sind noch viel mehr Bilder zu entdecken. Man muss nur sein Einfühlungsvermögen mitbringen, um diese wunderbare Welten aufzuschließen.


Web: sbk.goetheanum.org/aus-der-sektion/videos