Signatur der Gegenwart

Signatur der Gegenwart

27 Oktober 2020 Matthias Girke 81 mal gesehen

Wir stehen gegenwärtig in großen medizinischen und sozialen Herausforderungen, oftmals existenzieller Not und Bedrohung. Sie rufen nach einem tieferen Verstehen und Konsequenzen für unser Handeln.


Aus diesem Grund hat die Goetheanum-Leitung eine Vortragsreihe begonnen, die sich den Zeitfragen und insbesondere der durch die Corona-Epidemie entstandenen Situation zuwendet (siehe Arbeitsweise in Corona-Zeiten bis Ende 2021 und Vom ‹Es› zum ‹Du›). Die Vorträge werden wöchentlich in der Schreinerei am Goetheanum gehalten und danach als Video in deutscher Sprache mit Übersetzung ins Englische veröffentlicht. Wir hoffen, dass dadurch geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur ‹Signatur der Gegenwart› für einen großen Menschenkreis sichtbar werden.

Umgang mit virtuellen Veranstaltungen

Die Sars-CoV2-Pandemie führt durch Isolation und Social Distancing vermehrt zu virtuellen Veranstaltungen, Konferenzen und Seminaren. Auch diese Vortragsreihe der Goetheanum-Leitung macht davon keine Ausnahme. Dabei entstehen Fragen, die uns auch zukünftig intensiv beschäftigen werden: Was wird durch die virtuelle ‹Begegnung› ermöglicht, was aber auch verhindert? Virtualität ersetzt keine Realität. Dennoch sind viele Menschen für die inzwischen zahlreichen virtuellen und teils per Livestream übertragenen Veranstaltungen ausgesprochen dankbar. Wir konnten es kürzlich bei der großen Festkonferenz zum 100. Geburtstag der Anthroposophischen Medizin mit ihren etwa 800 Teilnehmenden und weltweiten Übertragungen erfahren (siehe Weltkonferenz).

Bei virtuellen Veranstaltungen reduziert sich die Wahrnehmung des anderen Menschen auf ein oftmals nur briefmarkengroßes Bild mit ‹Ton›. Eine Begegnung der Blicke und eine ‹leibhaftige› zwischenmenschliche Beziehung sind nicht möglich. Der Unterschied zur realen Begegnung ist evident. Dennoch können Elemente menschlicher Begegnung entstehen und werden mit Dankbarkeit bemerkt.

Geistig verbindende Qualität

Welche Aktivitäten und Übungsschritte brauchen wir, um trotz der eingeschränkten, virtuellen Begegnungsqualität in einen seelischen und geistigen Raum einzutreten, der Menschen weltweit verbindet? Rudolf Steiner beschreibt, wie selbst ein Buch zu einem Gespräch mit dem Autor werden kann. Können wir trotz der reduzierten Begegnungsmöglichkeit der virtuellen Welt eine geistig verbindende Qualität entwickeln? Auch vor diesen Herausforderungen stehen wir heute. Sie verlangen unsere wache Urteilskraft und kreatives Handeln.


Web: ‹Zur Signatur der Gegenwart›