Sophia-Stiftung

Sophia-Stiftung

24 Februar 2021 Lascha Malaschchia & Sergej Zabolotny & Andrej Ziltsov 34 mal gesehen

Mit Gründung der Sophia-Stiftung soll die praktische anthroposophische Arbeit in der Ukraine durch reale Kontakte gefördert und finanziell unterstützt werden.


Am 7. Oktober 2019 fand in Kiew das Seminar ‹Wie kann man das Geld für die eigenen Ideen und Projekte finden?› mit Jean-Pierre Caron, dem stellvertretenden Vorsitzendern der ethischen Bank ‹La Nef› (FR), statt. Andrey Gorsky, Mitgründer eines Waldorfkindergartens in Kiew, fragte: Wie findet ein Kindergarten, der seit zwölf Jahren arbeitet und aus dem eine Schulinitiative hervorgegangen ist, finanzielle Unterstützung?

Viele anthroposophische Initiativen in der Ukraine befinden sich in derselben Situation. Und so weitete sich die Frage: Was können wir als anthroposophische Gemeinschaft tun, um die vielen Impulse aus Medizin, Pädagogik, Landwirtschaft, Kultur und anderen Bereichen zu verwirklichen? Dabei spielen mit hinein die unvorstellbar teuren Kredite (mit Zinsen von bis zu 36 Prozent pro Jahr); die Schwierigkeiten, Grundstücke für den Bau von Schulen und Kindergärten zu bekommen; das mangelnde Vertrauen der Gesellschaft in neue Initiativen – eine Folge der postsowjetischen Übergangszeit.

Plötzlich sagte Jean-Pierre Caron: «Eine Stiftung kann sowohl die Spender/innen, die bereit sind, Ihre Initiativen zu unterstützen, als auch die anthroposophischen Projekte, die finanzielle Unterstützung benötigen, vereinen. Oft kann eine kompetente Beratung eine entscheidende Hilfe sein.»

Gesamtsicht von Initiativen

Andrey Gorsky und Jean-Pierre Caron besprachen daraufhin weitere Schritte: Unter welchen Bedingungen kann sich ein Kreis von Menschen, die sich aus ihren eigenen Schicksalsströmen in einer Stiftung zusammenschließen, gebildet werden? Welche Kriterien sind nötig für das Finden und das Verteilen des Geldes?

Innerhalb der nächsten Wochen bildete sich ein Kreis von sechs Menschen aus verschiedenen Städten und verschiedenen anthroposophischen Berufen. Außer Andrey Gorsky, Maxim Penjkov (Unternehmer) und Sergej Zabolotny (Regisseur) schlossen sich Andrej Ziltsov (Priester der Christengemeinschaft), Valentina Golovina (Heilpädagogin) und Lascha Malaschchia (Eurythmie-Ausbildung) dieser Idee an.

Dabei war wichtig zu verstehen: In welcher Beziehung stehen diese Initiativen zur Anthroposophie? Und welche Verbindungen pflegen sie zur anthroposophischen Weltgemeinschaft? Es wurde auch auf die letzten 20 Jahre der Entwicklung der Anthroposophie in der Ukraine geblickt: Es gibt noch keine offiziell registrierte Anthroposophische Gesellschaft; alle Arbeitsgruppen und Initiativen pflegen aus eigener Kraft die Beziehung zur Anthroposophie und zueinander.

Obwohl diese Arbeit zum großen Teil nur online, per Telefon und in seltenen ‹echten› Begegnungen möglich war, war es schon im Februar 2020 so weit, dass Jean-Pierre Caron in die Beratung einbezogen wurde. Für die Registrierung der Stiftung wurde von den Behörden der 7. Oktober 2020 vorgeschlagen – auf den Tag genau zwölf Monate seit der ersten Frage!

Gründungsfest in drei Städten

Die Mission dieser Stiftung ist bereits in ihrem Namen beschrieben: die Soziale Finanzierung von Initiativen der Anthroposophie (kurz: Sofia). Die Sofia-Stiftung (auch ‹Sophia› genannt) will dazu beitragen, dass sich die geistigen Intentionen des Gründers, der Gründerin einer Initiative und die des Geldgebers, der Geldgeberin treffen und zu einer gemeinsamen Tat werden. Die sieben Gründer der Stiftung, die verschiedene Richtungen der Anthroposophie vertreten, haben sich zum Ziel gesetzt, die Projekte und Initiativen in der Ukraine zunächst einmal intensiver kennenzulernen.

Ende Oktober feierten wir, den äußeren Corona-Umständen zum Trotz, ein Gründungsfest. Die Hauptidee war: Nicht nur die Gründung unserer Stiftung bekanntzugeben, sondern möglichst vielen anthroposophischen Initiativen in der Ukraine zu ermöglichen, dabei zu sein. So wurden am 23., 24. und 25. Oktober die drei Städte Kiew, Dnjepr und Odessa Zeuginnen und Teilnehmende der Feiern zur Gründung der Stiftung. Jean-Pierre Caron hielt in jeder der drei Städte einen Vortrag über das Wesen des Geldes.

Abend für Abend stiegen wir an diesen Festtagen in den Zug und fuhren zur nächsten Stadt. Während der Fahrt tauschten wir unsere Wahrnehmungen aus und bereiteten uns auf den nächsten Tag vor.

Vor unseren Augen geschahen Wunder: Plötzlich wurde einer Waldorflehrerin klar, dass die nächste Klassenfahrt einen kleinen und ihr bisher unbekannten biodynamischen Hof zum Ziel hat. Dort können die Kinder das lernen, was sie gerade brauchen! Es waren viele Wunder, die zwar äußerlich klein zu sein schienen, aber ein großes Zukunftspotenzial in sich tragen – verschiedene Initiativen, die sich eben kennengelernt hatten, bildeten direkt vor unseren Augen Allianzen. Es setzte auch ein Umdenken in Bezug auf den Umgang mit Geld ein.

Vorhaben

Bis vor Kurzem war die Ukraine eines der wenigen Länder, in denen ein Moratorium für den Verkauf von Grundstücken an private Besitzer bestand. 2021 wird dieses Moratorium für Ukrainer und 2022 für ausländische Investoren teilweise aufgehoben. So wollen wir mit unserer Stiftung die ukrainische Erde vor einer ‹unfairen› Nutzung schützen und sie möglichst biodynamisch arbeitenden Landwirten zur Verfügung stellen.

Eine weitere Priorität ist es, Bildungs- und Kulturimpulse zu unterstützen. Denn es sollen in der Ukraine noch viel mehr Waldorfkindergärten und -schulen gegründet und gebaut werden. Ganz wichtig ist für uns, die Anthroposophie aus ‹Hörsälen ins wirkliche Leben› zu bringen!

Außerdem hoffen wir, dass unsere Stiftung anthroposophischen Initiativen in den postsowjetischen Nachbarländern helfen kann.


Web Sophia-Stiftung

Kontakt
ukrainiansophia.fond@gmail.com