Versöhnung
Der von der Kolonialisierung verursachte Riss dauert weiterhin an – die Anthroposophische Gesellschaft und die Steinerschulen arbeiten an einer Versöhnung mit.
Australien wurde vor 233 Jahren von den Briten kolonisiert – einige feiern den 26. Januar als ‹Australia Day›, von vielen wird er als Tag der Invasion bezeichnet. Während die einen die gewaltsame Invasion von Land und Kultur betrauern, feiern andere dankbar die multikulturelle Gesellschaft, die ihr Leben bereichert.
2008 wurde eine formelle Entschuldigung an die ‹gestohlene Generation› (so genannt wegen der Folgen von verordneter Kindesentziehung und erzwungener Assimilation) öffentlich ausgesprochen. Der Premierminister sagte tief empfunden «Es tut mir leid» (Sorry). Das Wort ‹Sorry› hat in den Sprachen und Kulturen der Aborigines und Torres-Strait-Islanders in Ritualen rund um den Tod eine besondere Bedeutung und ist Ausdruck von Empathie, Mitgefühl und Anerkennung von Verlust, doch nicht von Verantwortlichkeit.
Forschungen zeigen, dass Traumata von einer Generation zur nächsten übertragen werden und (neue) Probleme verursachen – in diesem Fall für die Kinder von Aborigines und Torres-Strait-Islanders. Sie sind bis heute in der australischen Verfassung nicht anerkannt.
In den letzten Jahren haben sich Mitglieder zusammengeschlossen, um auf Versöhnung und kulturelle Kompetenz aufmerksam zu machen und in dieser Richtung tätig zu werden; die Steinerschulen sind daran aktiv beteiligt. In vielen australischen Bundesstaaten ist die einheimische indigene Kultur im Lehrplan integriert, und es gibt Vollstipendien für Aborigines und Torres-Strait-Islanders. Die Anthroposophische Gesellschaft in Australien ist dankbar dafür, dass Australiens vielseitige menschliche Kultur die Anthroposophie prägt und beeinflusst.
Aus dem Englischen von Sebastian Jüngel.
Web Anthroposophische Gesellschaft in Australien