Weltperspektive – Zäsur von Joan Sleigh
Die Generalversammlung entscheidet in diesem Jahr über die Bitte des Vorstands am Goetheanum, die Amtszeit von Joan Sleigh um weitere sieben Jahren zu verlängern. Sie ist viel für die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft weltweit unterwegs und bereit, ihre Fähigkeiten weiterhin zur Verfügung zu stellen.
Seit ich nach sieben Jahren intensiver Schul- und Ausbildungstätigkeit in Südafrika in den Vorstand am Goetheanum berufen wurde, bin ich auch Mitglied des Kollegiums des Ausbildungsprogramms ‹Studium und Weiterbildung› am Goetheanum und pflege die Verbindungen zum englischsprachigen Raum. Im Laufe der Jahre wurde daraus ein aktives Engagement in zahlreichen Projekten, zusätzlich zur Verantwortung für die Anthroposophische Gesellschaft am Goetheanum und weltweit – mit besonderem Schwerpunkt soziale Wahrnehmung und Vernetzung.
Biografische Situation
Meine persönliche Situation befindet sich derzeit in einem Prozess des Wandels, da mein Mann Martin Herbert, ein aktiver Forscher und Forstberater, nach Südafrika gerufen wurde. Grund dafür ist seine Expertise unter anderem in der Erforschung der Auswirkungen des globalen Klimawandels, die er auf Leitungsebene eines großen Projekts in Afrika einbringen wird.
Dies hat zur Frage nach meiner Rolle und meinem Platz im Vorstand am Goetheanum geführt. Meine Muttersprache Englisch sowie die Tatsache, dass ich in einer Camphill-Gemeinschaft in Südafrika während der Zeit der Rassentrennung aufgewachsen bin, haben mich für die Vielfalt der Völker, Kulturen und Umgangsweisen sensibilisiert – Erfahrungen, die ich in den Vorstand als persönlichen Beitrag einbringen kann. Von meinen Kolleginnen und Kollegen in der Goetheanum-Leitung und in der Konferenz der Landesgesellschaften wurde ich gebeten, für eine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Da dies ganz in meinem Sinn liegt, möchte ich, wenn dies auch durch die Mitgliedschaft an der Generalversammlung bestätigt wird, meine Arbeit auf das Wachsen und die gesunde Entwicklung der Anthroposophischen Gesellschaft weltweit konzentrieren.
Mich interessiert dabei vor allem, den seelisch-geistigen Impulsen der Menschen in Afrika zu begegnen und sie zu erforschen, verstärkt durch das Gemeinschafts- und Forstprojekt meines Mannes, und zwar in Hinblick auf die fähigkeitsbildende Seite der Anthroposophie. Darüber hinaus werde ich die Beziehungen zwischen dem Goetheanum und den entstehenden Anthroposophischen Gesellschaften in Asien weiter unterstützen, mit dem Schwerpunkt, die vielfältigen Ansätze wahrzunehmen, die das individuelle und gemeinsame menschliche Potenzial fördern, Geist- und Selbsterkenntnis zu pflegen und zu leben. Weiterhin möchte ich untersuchen, wie die englische Sprache (und Denkweise) zur Weiterentwicklung der Anthroposophie in der Welt beitragen kann. Dabei kann ich auf meinen Erfahrungen der letzten sieben Jahre am Goetheanum aufbauen und den Impuls der Anthroposophie als Weg der Forschung und Praxis und als Okular zum Verständnis des Lebens in seiner ganzen Komplexität aufgreifen. Ich werde am Goetheanum wohnen und in die aktive Tätigkeit der Goetheanum-Leitung und der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft eingebunden bleiben.
Aufgaben und Verantwortlichkeiten
Vor dem Hintergrund ausgedehnter Reisen und der wachsenden Bedeutung des englischsprachigen Raumes für die anthroposophische Arbeit möchte ich meine anderen Projekte durch gezielte Forschung und Vertiefung der Praxis festigen. Ich werde weiterhin eine Reihe internationaler Initiativen koordinieren, die am Goetheanum angesiedelt sind und den Weg auf meinen Schreibtisch gefunden haben. Dazu gehören:
– Die Leitung des Social Initiative Forum (SIF) mit einem wunderbaren Team von vier jungen Menschen. Das SIF, ursprünglich von Ute Craemer und Truus Geraets inspiriert, ist der Sektion für Sozialwissenschaften und der Allgemeinen Anthroposophischen Sektion verbunden. Es gestaltet weltweit Sozialforen, bei denen sich Menschen aus dem internationalen Netzwerk sozialer Initiativen treffen, um eine sozial gesunde individuelle und gemeinschaftliche Entwicklung zu fördern.
– Mitverantwortung für Gestaltung und Durchführung der Meditationsinitiative ‹Living Connections›. Sie ist aus der Goetheanum Meditation Worldwide Initiative hervorgegangen und bildet eine öffentliche Plattform für größere und kleinere Veranstaltungen. Ein Arbeitsteam von 18 Praktizierenden trifft sich regelmäßig am Goetheanum, um die eigenen Erfahrungen zu vertiefen und große internationale Veranstaltungen vorzubereiten.
– Mitverantwortung für die Belange der Ersten Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaften im englischsprachigen Raum. Dazu gehören die Entwicklung von Vereinbarungen und Handhabungen sowie Korrespondenz und Treffen mit den Klassenvermittlern/-innen, die Übersetzung und Aktualisierung von Publikationen sowie die Organisation von Hochschultagungen.
– Die Verbindungsperson zu sein zwischen der Allgemeinen Anthroposophischen Sektion und den Biografieausbildern und -praktizierenden weltweit unter anderem mit dem Ziel, dieses wachsende Arbeitsfeld in der anthroposophischen Bewegung sichtbarer zu machen.
– Die Verbindung zu den ‹Anthroposophical Studies› am Goetheanum zu halten. Dieses mehrsprachige Programm bietet den Studierenden die Möglichkeit, sich durch Anthroposophie im Austausch miteinander am Goetheanum besser kennenzulernen – ein einzigartiges Merkmal dieses Programms.
– Weiterhin die Unterstützung der Kultur der Zweig- und Gruppenarbeit weltweit.
Wahre Menschlichkeit
Die globale Situation erfordert mehr denn je einen bewusst intuitiveren Umgang mit allen Fragen der Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und persönlichen Entwicklung. Meine Absicht ist es, dazu beizutragen, das wahre Menschliche in den Mittelpunkt der globalen Aufmerksamkeit zu stellen und – in Zusammenarbeit mit anderen – die einzigartigen Einsichten und Praktiken der Anthroposophie als Arbeitsinstrument zu gebrauchen.