Älter, gebildet, weiß
Die anthroposophische Arbeit in Österreich baut auf Kooperation freier Individualitäten, getragen wird sie überwiegend von autochthonen Deutschsprachigen.
Die Zusammensetzung der Anthroposophischen Gesellschaft und des Publikums bei unseren Veranstaltungen ist für die Diversität der österreichischen Gesellschaft – insbesondere der Städte – nicht repräsentativ: Unser Publikum ist älter, gebildet (nicht immer im formalen Sinne) und weiß. Die Gruppen und Zweige werden überwiegend von autochthonen deutschsprachigen Personen und gelegentlich von Gästen aus osteuropäischen Ländern besucht, die meist schon in ihren Herkunftsländern auf die Anthroposophie aufmerksam geworden sind. Ähnlich sieht es – obwohl ich nicht alles überblicke – in den anthroposophischen Ausbildungen aus, wobei hier die Teilnehmenden natürlich bedeutend jünger sind.
Ein Angebot, das auf die gesellschaftliche Diversität eingeht – und damit sprachliche Hürden, Bildungsfragen und ökonomische Verhältnisse berücksichtigt –, können wir mit den derzeitigen Ressourcen nicht leisten.
In Ausbildungen oder bei Vorträgen wird gelegentlich das Thema ‹kulturelle Identität› angesprochen, und dabei wird hinterfragt, ob die Ansätze der Anthroposophie beziehungsweise von Rudolf Steiner nicht kulturalistisch, nationalistisch oder sogar rassistisch seien. Diese Bedenken lassen sich mit einer eingehenderen Schilderung der historischen Zusammenhänge (der unmittelbaren Nachkriegszeit) und dem Hinweis, dass sich individuelle Identität – aus anthroposophischer Sicht – dadurch auszeichne, dass sie aus kultureller Herkunft und Gruppenidentitäten heraustreten könne und es ihr auf die Kooperation von in diesem Sinne freien Individuen ankomme, meist ganz gut ausräumen.