An der Schwelle

An der Schwelle

31 Oktober 2019 Alain Tessier 14 mal gesehen

Am 28. und 29. September fand in der Region Hautes-Alpes das jährliche Treffen von Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft im Südosten Frankreichs statt.


Seit elf Jahren treffen sich an Michaeli im Südosten Frankreichs Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft an wechselnden Orten. Auf diese Weise lernen sie die Region kulturell, historisch und geografisch besser kennen. An den im Wechsel ein- oder zweitägigen Treffen nehmen in der Regel rund 80 Personen – Mitglieder, Sympathisanten oder Besucher – teil. Diesmal fand das Treffen in der Region Hautes-Alpes mit Menschen aus allen Generationen in einem Begegnungszentrum nördlich von Gap statt; es ging um ‹Annäherungen an die Schwelle›.

Die regelmäßig in der Region Hautes-Alpes arbeitenden Gruppe gab einen Einblick in die lokalen Geschichte und präsentierte Lieder und Gedichte auf Provenzalisch. So wurden die tiefen und belebenden Kräften des Ortes auf besonders subtile Weise erlebbar.

Mut und Verinnerlichung

Die siebenköpfige Vorbereitungsgruppe hat in den letzten Jahren eine etwas gewagte Richtung eingeschlagen, nämlich die formalen Beiträge auf ein Minimum zu reduzieren und alle zu anzuregen, sich persönlich einzubringen. In diesem Jahr bereicherten wir uns gegenseitig an den spontanen Äußerungen. In einem Klima der Wahrhaftigkeit sowie durch die nötige Bescheidenheit aller, die sich äußerten, und wohlwollendes Zuhören der anderen wurde es möglich, die besondere Atmosphäre der Schwelle zu erleben – eine Erfahrung, die wichtiger ist, als ‹über› das Thema zu sprechen.

Auch fand ein Plenum zur Freien Hochschule für Geisteswissenschaft statt, das einen Raum für Fragen schuf. Der offene Austausch trug dazu bei, die zuweilen geheimnisvolle Atmosphäre um die Erste Klasse und gewisse Vorurteile zu überwinden. Viele der Hochschule fernstehende Teilnehmende waren persönlich berührt und erkannten ihre Fragen in dem wieder, was diese Hochschule zu pflegen sucht.

Mit diesen kraftvollen Erfahrungen ist das Gefühl von Schönheit verbunden – dank der unglaublich milden Frühherbststimmung in der Natur. Wir konnten hier die Einladung zum Mut und zur Verinnerlichung des Lichts erkennen, Tugenden, die das Bild Michaels trägt.


Aus dem Französischen von Sebastian Jüngel