Ausbildungstätigkeit bis Herbst ausgesetzt
Die aufgrund der Covid-19-Pandemie offiziell verordnete Quarantäne ab Mitte März kam auch für die Türkei überraschend und hat das Leben stark verändert. Die Leitung des anthroposophischen Erzieher- und Lehrerseminars in Istanbul musste allen Seminarist/inn/en mitteilen, dass bis zum Herbst keine Veranstaltungen stattfinden können.
Innerhalb weniger Wochen gab es Hunderte von Todesfällen. Ältere Leute über 65 Jahre durften nicht mehr auf die Straße. Alles Leben spielte sich von nun an in den Häusern ab; im Mai kam noch der Fastenmonat Ramadan dazu. Das hat erleichtert, zur Innerlichkeit vorzudringen – in den Gemütern lebte Einsicht in die Vergänglichkeit und Relativität von allem, aber auch in die durch Herzenskraft dem Einzelnen mögliche geistige Fähigkeit. Das bewirkte eine Solidarität unter den Menschen, das Aushalten der Beschränkungen fiel leichter.
Die Schulen sind bis September geschlossen, das Schuljahr beendet. Auch unsere Sponsorschule Alev, wo wir unsere Seminare veranstalten, ist davon betroffen. Glücklicherweise hatten wir schon Ende Januar das erste Modul unseres Erzieherseminars im dritten Jahr und Anfang Februar das erste Modul unseres Lehrerseminars im vierten Jahr – alle weiteren Seminare und Mentorenbesuche in Kindergärten mussten wir absagen.
Bewusst eingesetzte digitale Tätigkeit
Da Vereine keine Veranstaltungen machen durften, mussten auch wir als ‹Freunde der Erziehungskunst Istanbul› (ESDD) schließen. Da es auch bei Einhaltung des Mindestabstands nicht erlaubt ist, dass mehr als fünf Personen zusammenkommen, können wir im ESDD-Haus nichts veranstalten.
Die Waldorfschule in Alanya mit ihren sieben Klassen hat sich sehr schnell an die neue Situation angepasst und digitalen Unterricht umgesetzt. Einige ‹Waldorf-inspired›-Kindergärten wollten ihre Kinder nicht vor dem Bildschirm sitzen haben und haben nur mit den Eltern über Skype oder Zoom kommuniziert und sie beraten, was sie mit ihren Kindern zu Hause tun könnten. Andere Kindergärten haben mit den Eltern und den Kindern digital kommuniziert.
Einige haben uns gefragt, ob wir digitale Seminare anbieten. Wir müssten dann alle Dozierenden fragen, ob sie das wollen und machen können; das wäre sehr aufwendig, da wir ja im Unterricht wegen der Mehrsprachigkeit konsequent dolmetschen. Schließlich wollten die Dozierenden keine solche Art der Begegnung mit den Studierenden.
Seit April hatten wir zweiwöchentlich vier Zoom-Treffen mit etwa 25 bis 30 Kindergärtnerinnen. Dieser Austausch war sehr wichtig. Diese Treffen koordiniert Birgül T. Meriç, begleitet von Ayşe Tuzlacı, die den jeweiligen Wochenspruch aus dem ‹Anthroposophischen Seelenkalender› von Rudolf Steiner auf Türkisch liest; Hande Başaran spielt live Musik. Unsere Dozentin Nurtaç Perazzo nimmt immer wieder von Berlin (DE) aus teil.
Nachholen im nächsten Jahr?
Obwohl alle Kindergärten am 1. Juni wieder öffnen durften, haben das wegen der Unsicherheit der Eltern nur einige getan; die meisten Kindergärten werden im August drei Wochen im Sommer Spielzeiten im Garten anbieten, was zugelassen wurde.
Die ESDD haben mehrere Artikel von Rundbriefen und ‹Waldorf Ressources› übersetzt und auf unsere Webseite gestellt, damit unsere Freunde informiert sind.
Die Menschen können nun wieder zur Arbeit gehen. Jedoch können jederzeit andere Bestimmungen kommen, bestehende aufgehoben oder neu auferlegt werden.
Wir hoffen auf bessere, gesündere Zeiten und werden versuchen, alles im nächsten Jahr nachzuholen.
Für die Seminarleitung ESDD: Tarhan Orhan.
Web Egitim Sanati