Brasilien brennt
In Brasilien brennen der Amazonas, die Lunge der Welt, und im übertragenen Sinn Großstädte wie São Paulo. Dem gegenüber steht das geistige Johannifeuer.
Besonders in den Armenvierteln klafft eine durch Pandemie und Lockdown noch offenbarer gewordene Wunde: Es fehlt am Nötigsten wie Wasser und Seife, Lebensmitteln, Krankenhäusern. Die Kinder und Jugendlichen sind meist ohne seelische Stütze. Gerade das, was ihnen Lebenslust gab – das Miteinandersein mit ihren Spielkameraden und mit Menschen, die sie lieben und mit denen sie gemalt, gespielt oder Capoeira übten –, verschwand plötzlich in der Ausgangssperre. All das ist eine Kraftprobe der Resilienz: Ist sie in der Vor-Coronazeit in den Kindertagesstätten und Schulen gebildet worden? Dazu kommt die innere politische Zerrissenheit. Ich glaube, das ist die Stimmung, die die Jugendliche in der Zeichnung ausdrücken will.
Verstehen wir ‹Feuer› bildhaft, kommen wir auf die São-Jõao-Zeit mit dem Johannifeuer. In diesem Jahr wird es äußerlich nicht brennen, es wird keine persönliche Begegnung mit Musik, Maisgerichten, Quadrilha-Tanz geben. Doch in uns kann sich weiterhin das innere Feuer entfachen: Gerade wegen der Unmöglichkeit der Begegnung vor Ort verbinden wir uns dank der Technologie über Zoom mit dem hintersten Winkel Brasiliens und darüber hinaus bis nach Polen, Afrika, Lateinamerika und in andere Länder zu einem virtuellen Pfingstfest!
In der anthroposophischen Bewegung gibt es nach dem ersten Schock tiefe Überlegungen: Was will Corona uns sagen? Wie können wir uns noch mehr mit den offenen Wunden Brasiliens und unserer Zeit verbinden? Was ist unsere Aufgabe? Wie kann der Heilwille in uns noch stärker erweckt werden, damit wir das Gute tun – nicht nur denken und fühlen, wie uns Rudolf Steiner mit Urielblick ermahnte?