Das Goetheanum ist ein öffentlicher Raum
Die Generalversammlung am 31. Oktober fand unter speziellen Voraussetzungen statt, da fünf Tage zuvor der Standortkanton Solothurn in seiner aktualisierten Covid-19-Verordnung eine Maximalzahl von 30 Personen für öffentliche Versammlungen bestimmt hat. Die Frage war: durchführen oder absagen?
Wir entschieden uns für die Durchführung, indem wir die etwa 140 anwesenden Mitglieder in fünf verschiedene Räume zu je maximal 30 Personen aufteilten und per Livestream so verbanden, dass eine gegenseitige Wahrnehmung möglich war. Auch Fragen zu den Geschäften der Versammlung konnten von allen Sälen aus gestellt werden, und die Abstimmungen waren transparent und rechtskräftig möglich. Gleichzeitig haben einige Hundert Mitglieder dieses Geschehen per Livestream mitverfolgen können, allerdings ohne aktive Teilnahme.
Anthroposophie vernehmbar machen
An dieser neuen Erfahrung für alle Beteiligten wurde nochmals deutlich, was wir in diesem speziellen Jahr 2020 schon mehrfach erfahren haben: Die Anthroposophische Gesellschaft ist eine öffentliche Gesellschaft, das Goetheanum ist ein öffentliches Haus. Wollen wir diese Öffentlichkeit? Der Vorstand und die Goetheanum-Leitung sagen entschieden: Ja. Entsprechend haben wir seit dem Lockdown im Frühjahr 2020 gehandelt. Wir wollen das Goetheanum und die Anthroposophie im öffentlichen Raum halten – durch eine eigenverantwortliche Umsetzung der Covid-19-Verordnungen und gleichzeitige maximale ‹physische› Öffnung des Hauses. Wir wollen die Anthroposophie im öffentlichen Raum vernehmbar machen, beispielsweise durch das in vier Wochen entstandene und Ende Mai publizierte Buch ‹Perspektiven und Initiativen zur Coronazeit› mit Beiträgen aus allen Sektionsgebieten oder durch die aktuelle Vortragsreihe ‹Zur Signatur der Gegenwart›, die per Video verfügbar ist. Wir wollen mit der Anthroposophischen Gesellschaft und dem Goetheanum öffentlich sein, wenn wir Tagungen, Treffen und Aufführungen durchführen.
Die Zeit, die Erde und die Menschheit sind in Not, und es ist unser Anliegen, Entwicklungsbeiträge zu den aktuellen Herausforderungen aus der Quelle Anthroposophie beizusteuern.