Eine Brücke ist der Mensch

Eine Brücke ist der Mensch

18 Februar 2020 Matthias Girke & Georg Soldner 19 mal gesehen

In der Osterzeit 1920 fand am Goetheanum der erste Ärztekurs Rudolf Steiners (GA 312) statt – und mit ihm die Begründung der Anthroposophischen Medizin.


In 20 Vorträgen werden das Verständnis des menschlichen Organismus, seiner Erkrankungen und die daraus folgenden Therapien thematisiert. Aus heutiger Sicht entsteht ein Erstaunen über die dort entwickelte Keimkraft und die weiten Perspektiven: Vieles wurde zwischenzeitlich in überraschend eindeutiger Weise bestätigt – wie beispielsweise der Zusammenhang von Darm (Mikrobiom) und Nervensystem –, zahlreiche Anregungen sind Praxis der Anthroposophischen Medizin geworden – zum Beispiel Misteltherapie bei Krebserkrankungen, rhythmische Einreibungen in der Krankenpflege. Etliche Keime warten noch auf die wissenschaftliche Erforschung und praktische Umsetzung.

Gesundheit des Menschen und der Erde

Für die Heilkunst ist das Motiv der Brücke zentral: Anthroposophische Medizin ist eine Brücke, die ihren Ausgangspunkt in den Errungenschaften der naturwissenschaftlich orientierten Medizin nimmt und hinüberführt in ein gesundheitsorientiertes Verstehen des Menschen als ein sich selbst entwickelndes Wesen. Eine Medizin, die eine Brücke baut in der therapeutischen Beziehung zum Patienten und zu den anderen Berufsgruppen, mit denen sie in therapeutischer Gemeinschaft arbeitet. Eine Medizin, die ihre Heilmittel aus einem lebendigen Verständnis von Mensch, Natur und Kosmos entwickelt und anwendet, also die Brücke baut zwischen Mikro- und Makrokosmos. Dabei geht es um die wachsende menschliche Verantwortung für die lebendige Erde und ihre Hüllen, denn die Gesundheit des Menschen ist von der Gesundheit der Erde nicht zu trennen.

Von 12. bis 20. September 2020 findet die große Weltkonferenz zum Geburtstag der Anthroposophischen Medizin am Goetheanum statt. Es geht um das Motiv der Brücke, um gegenwärtige Entwicklungen und Zukunftsperspektiven in allen Lebensfeldern der Anthroposophischen Medizin. Künstlerische Veranstaltungen wie Eurythmie und die neunte Symphonie von Ludwig van Beethoven, festliche Begegnungen, Vorträge und etwa 100 Arbeitsgruppen führen die Geburtstagsgäste zusammen, bilden Brücken von Mensch zu Mensch und von der Vergangenheit in die zukünftigen Entwicklungen, «das Sein der Zukunft».