Es gibt noch viel zu tun …

Es gibt noch viel zu tun …

01 Juli 2020 Eunhwa Lee 16 mal gesehen

Die Präventivmaßnahmen gegenüber Covid-19 werden in Korea stetig weiterentwickelt und finden weltweit Beachtung. Während für einige die ernste Situation überwunden ist, tragen andere ständig ihre Schutzmaske. Der Unterricht auch an Waldorfschulen wurde wieder aufgenommen, anthroposophische Arbeitskreise arbeiten wieder.


Die südkoreanische Regierung hat sich nach Kräften eingesetzt, gefährdeten oder mit Sars-CoV-2 infizierten Menschen psychisch und finanziell zu helfen. Jetzt bemüht sich die Gesellschaft darum, zu einer Normalität zurückzukehren, die wir sehnlichst herbeizuführen versuchen, die aber noch längst nicht greifbar scheint.

Anfang Mai änderte sich die Strategie von einer starken sozialen zu einer physischen Distanzierung im Alltag. Seither öffnen die Schulen schrittweise, und die Gesellschaft kehrt in die öffentlichen Räume zurück. Alle Waldorfschulen und die meisten öffentlichen Schulen hießen ihre Schüler/innen willkommen. Doch Hunderte Schulen mussten leider schon wenige Tage später aufgrund einer neuen Infektionswelle wieder schließen. An unserer Schule haben inzwischen wieder mehrere anthroposophische Arbeitskreise und andere Zusammenkünfte außerhalb der Schulgebäude begonnen.

Gelegenheit zum Ausatmen

Im Laufe der Zeit kann das Tragen einer Schutzmaske ungeachtet der getrübten Hoffnung, sie früher oder später loszuwerden, und ungeachtet unbestätigter Informationen, dass die Viruserkrankungen bei warmem Wetter zurückgehen würden, wirklich unangenehm sein und sogar das Atmen erschweren mit dem näher rückenden heißen und feuchten Vorsommer, der von Jahr zu Jahr früher einsetzt.

Für einige Menschen ist diese ernste Situation bereits beendet, und sie kümmern sich nicht einmal mehr um die minimalen Präventivmaßnahmen; für andere ist sie noch immer akut – sie tragen ständig Masken: nicht nur physische, sondern auch durch innere Distanz. Einige Schüler/innen zögern, die Schutzmasken abzunehmen, selbst wenn sie draußen Abstand halten. Manche Eltern wollen ihre Kinder erst dann in die Schule schicken, wenn dies ‹völlig› sicher ist. Insbesondere die ‹stille› Übertragung hat eine riesige Angst in unseren Köpfen hervorgerufen, sodass wir Kontakt möglichst vermeiden.

Diese Pandemiesituation gab uns jedoch die Gelegenheit, auf unser Leben zurückzublicken, insbesondere auf das Familienleben, das heute in der Regel ziemlich auseinandergefallen und aufgelöst ist. Ironischerweise hat Covid-19 uns dazu geführt, aufzuhören zu arbeiten, dafür auszuatmen und darüber nachzudenken, was im Leben wertvoller ist, was in einer leistungsorientierten Gesellschaft sonst niemand zu fragen wagt. Schließlich haben wir erkannt, dass wir in fast allen Lebens- und Gesellschaftsbereichen viel zu viel eingeatmet haben, um die besten Leistungen zu erbringen.

Warmherziges Interesse füreinander

Wir machen uns bereits Sorgen über das Wiedererstarken dieser Krankheit, wenn es wieder kalt wird. Wir sind unsicher, mit welchen anderen verheerenden Situationen wir in Kürze konfrontiert sein werden. Die südkoreanische Regierung wirbt offensiv für ihr Modell der Seuchenbekämpfung (‹K-Quarantäne›) und arbeitet immer wieder neue Präventivmaßnahmen und Empfehlungen aus, die auf großes internationales Interesse stoßen. Weitere Diskussionen über die Ursachen dieser Pandemie und ihre sozialen und ökologischen Auswirkungen stehen noch aus. Der Schwerpunkt sollte sich von der eher technologischen Seite der Rückverfolgung und der Präventionsprogramme hin zu einem tieferen Verständnis von Ursache und Bedeutung dieser Pandemie verlagern.

Wir erkennen wieder, dass die ganze Welt miteinander verbunden ist: Sie ist ein ganzheitlicher Organismus. Wir erkennen letztlich, dass wir sowohl nehmen als auch geben, wenn wir ein herzliches Interesse füreinander entwickeln. Ich denke, wir sind klug genug geworden, dass wir dieses einfache Prinzip erkennen und uns hoffentlich lange daran erinnern können.


Aus dem Englischen von Sebastian Jüngel.