Giancarlo Buccheri

Giancarlo Buccheri

27 April 2020 Stefano Gasperi 20 mal gesehen

Am 7. April 2020 überschritt Giancarlo Buccheri nach vierwöchiger schwerer Covid-19-Erkrankung die Schwelle. Er war bis zuletzt als anthroposophischer Arzt in Mailand (IT) tätig.


Mit fünf Jahren erkrankte Giancarlo Buccheri während der damaligen Kinderlähmungsepidemie und mit zwölf Jahren an einer schweren Blinddarmentzündung. Im selben Alter bekundete er sein intensives Interesse, Deutsch zu lernen, was ihn mit 17 Jahren zu einem Auslandsaufenthalt bei der Weleda (DE) führte, wo er nicht nur Deutsch lernte, sondern auch die Anthroposophie kennenlernte. Erst nach der Rückkehr entdeckte er die Bücher Rudolf Steiners in der mütterlichen Bibliothek.

Nach seinem Medizinstudium in Turin (IT) arbeitete er von 1975 bis 1977 an der Ita-Wegman-Klinik in Arlesheim (CH). Er gehörte zum ersten Kreis anthroposophischer Ärzte in Italien.

Mit seiner aus den Niederlanden stammenden Frau Sacha gründete er eine Familie mit drei Kindern und sechs Enkeln.

Den Zyklus ‹Geisteswissenschaft und Medizin› (GA 312) übersetzte er ins Italienische. Darin beschreibt Rudolf Steiner am 7. April 1920 eine Konstellation von Mars, Jupiter und Saturn in Zusammenhang mit epidemischen Atemwegsinfektionen, wie sie im März und April 2020 beobachtbar war.

Ein Gesicht der Anthroposophischen Medizin

Sein energischer Wille und seine Treue zur Anthroposophie haben sein Wirken geprägt. Spirituelle Sicherheit, Bestimmtheit und Überzeugungskraft verband er in edler Weise mit sonniger, feinsinniger, an Seele und Geist gebildeter Menschlichkeit. Lange Zeit leitete er als Präsident die anthroposophische Ärztegesellschaft Italiens (Sima). Dank seines weitblickenden und engagierten Einsatzes ist in diesen Jahren die Anthroposophische Medizin in Italien zahlenmäßig und in der Substanz stetig gewachsen und öffentlich sichtbar geworden. Von 1991 bis 2007 war er Präsident der Internationalen Vereinigung der Anthroposophischen Ärztegesellschaften (IVAA), die er als Organisation zur rechtlich-politischen Sicherung der Anthroposophischen Medizin von Grund auf neu aufgebaut hat. Er gab dieser Medizin in Europa ein Gesicht und konnte bei Politikern, Behörden und komplementärmedizinischen Partnern Vertrauen gewinnen.

In Italien gründete er einen komplementärmedizinischen Dachverband und war dessen Repräsentant beim Gesundheitsministerium in Rom (IT). Am ‹Vademecum Anthroposophische Arzneimittel› arbeitete er mit Kolleg/inn/en intensiv und sorgte für dessen Übersetzung ins Italienische. Nach einigen Jahren im Verwaltungsrat der Weleda-Gruppe wandte er sich in den letzten sieben Lebensjahren der Gründung der Fondazione Antroposofica Milanese zu, dem größten Arbeitszentrum der Anthroposophie in Italien, deren Präsident er war.

Gelebter Hochschulimpuls

Stets verband Giancarlo Buccheri die Anthroposophische Medizin mit der allgemeinen Anthroposophie und der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. Er wirkte lange als Zweigleiter in Mailand (IT) und war als Vermittler der Hochschule in Mailand tätig. In den letzten Jahren setzte er sich stark für die Förderung freier Klassenstunden ein.

Etwa 33 Jahre lang leitete er die Medizinische Sektion in Italien. Kürzlich erschien das von ihm herausgegebene und mitverfasste Werk ‹Clinica medica antroposofica› (Edizioni Minerva Medica), dessen Vorwort vielleicht als sein geistiges Vermächtnis angesehen werden kann.

Nach vier Wochen intensivmedizinischer Behandlung in völliger Isolation ist er am Tag des Ostervollmonds während des Sonnenaufgangs über die Schwelle getreten.