Globale Fastenzeit

Globale Fastenzeit

27 April 2020 Ueli Hurter & Justus Wittich 9 mal gesehen

Verehrte liebe Mitglieder, liebe FreundeHaben Sie uns wie wir Sie im Bewusstsein» – mit diesem Satz endete unser Brief vom 18. März 2020, in dem wir Ihnen die Verschiebung der Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft mitteilen mussten.


Inzwischen haben die Pandemie und die dadurch begründeten massiven persönlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Einschränkungen Sie alle an Ihrem Ort erreicht. Es erscheint dies wie eine globale ‹Fastenzeit›, die der Zivilisation jetzt im Hinblick auf die uns sonst beherrschende Geschäftigkeit des Alltags verordnet wird.

Das Verhältnis zu Mitmenschen und Umwelt wird uns so völlig anders bewusst. Zeichenhaft ist auch, dass dieses Ereignis gerade in die Zeit des Ostergeschehens fällt. Das kann als Aufruf verstanden werden, erneut an die durch die Überwindung des Todes entstehenden Auferstehungskräfte des wahren Menschlichen anzuschließen.

Seelenruhe und innere Freiheit stärken

Die Goetheanum-Leitung hat sich in den Tagen der ursprünglichen Jahreskonferenz im Bewusstsein dieser Zeitlage im Goetheanum zusammengefunden und für die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft einen Impuls gefasst.

An Sie denkend, liebe Mitglieder und Freunde, wird uns bewusst, wie sehr wir mehr und mehr eine Weltgesellschaft und eine Weltbewegung geworden sind. Denn an wie viele Orte können wir hindenken, überall auf der Welt, an denen durch Sie Anthroposophie präsent ist. Wir freuen uns, wenn Sie uns über Ihre Situation und die geistige Lage vor Ort schriftlich berichten.

Aktuell dürfen Sie und wir nicht reisen durch die Welt, die nationalen Grenzen sind geschlossen. Dieser Realität ist im Moment nicht zu entkommen, aber wir können gemeinsam versuchen, ihr eine andere Wirklichkeit an die Seite zu stellen.

Durch was kann ich meine Seelenruhe und innere Freiheit stärken? Durch ein bewusstes Sich-Einfühlen in den Leib, in die Glieder: Ich bin hier an meinem Ort. Ich trage die volle Verantwortung für mein Leben, meine Aufgaben und strebe danach, Sinn – geistiges Licht also – in mein Handeln zu legen. Im Aufrufen solcher Gefühle in die volle Seelenpräsenz und auch wieder im Loslösen bemerke ich: Ich atme, ich lebe in der Besinnungskraft der Seele, die sich zugleich verbunden fühlen kann mit dem geistigen Licht.

Quellpunkt der Menschenwürde

Gerade in dieser Zeit zwischen Ostern und Pfingsten kann sich aus diesem Seelenerleben der Geist dem Weltensein zuwenden, um es immer mehr zu erschauen. Das wird dann – wie in unserer Grundstein-Meditation ausgedrückt – ein Quellpunkt von Menschenwürde:

Göttliches Licht,
Christus-Sonne,
Erwärme
Unsere Herzen;
Erleuchte
Unsere Häupter;
Dass gut werde,
Was wir
Aus Herzen Gründen,
Aus Häuptern führen
Wollen.

Wir wünschen vom Goetheanum aus allen eine gute Gesundheit und hoffen, dass wir uns überall auf der Welt möglichst bald wieder auch von Angesicht zu Angesicht sehen können.

Für den Vorstand und die Goetheanum-Leitung: Ueli Hurter und Justus Wittich