Hilfen im Sterben

Hilfen im Sterben

24 Februar 2021 Sebastian Jüngel 14 mal gesehen

Am 9. Februar zeigte ein Online-Symposium der Medizinischen Sektion am Goetheanum Alternativen zum assistierten Suizid auf.


Schwere Erkrankungen können zum Sterbewunsch führen. Oft spielen dabei Sinnverlust, das Gefühl, anderen Menschen zur Last zu fallen, und die Angst vor Leid und Schmerzen hinein. Nach Erfahrung von Matthias Girke, Facharzt für Innere Medizin und Palliativmedizin sowie Leiter der Medizinischen Sektion am Goetheanum, lässt sich «dieser Wunsch durch eine palliative Therapie sowie seelische und geistige Unterstützung fast immer in neue Sinnsetzungen und neu errungene Autonomie wandeln». Voraussetzung dafür ist, die hinter dem Sterbewunsch stehende Not zu erkennen.

Ausgangspunkt für die anthroposophische Palliativmedizin ist die Entwicklungs- und Zukunftsfähigkeit des Menschen – auch bei schweren Erkrankungen und beim Sterben. Die Pflege zwischenmenschlicher Beziehung ermöglicht, Aufgaben zu erkennen und zu erleben, gebraucht zu werden. Erlebtem Sinnverlust lässt sich durch Erarbeiten neuer Perspektiven und Sinnsetzungen begegnen. Die medikamentöse Therapie vermag die meisten Symptome zu lindern. «Bei der Begleitung eines Menschen ist immer die Würde seines individuellen Krankheits- und Sterbeprozesses zu respektieren», so Matthias Girke. «Sie lässt sich nicht generalisieren.»

Hinter dem Wunsch nach assistiertem Suizid steht für Matthias Girke der Ruf nach Menschlichkeit. Er sieht einen erheblichen Handlungsbedarf für eine flächendeckende palliative Versorgung, Wertschätzung menschlicher Zuwendung, Anerkennung pflegerischer Leistung und für die Arbeit der in diesem Bereich wirkenden Mitarbeitenden in Altenheimen, Pflegeeinrichtungen und Hospizen.


Web: Medizinische Sektion