Klimatagung
Die Tagung ‹Atmen mit der Klimakrise› der Sektion für Landwirtschaft und der Jugendsektion am Goetheanum zog über 1 200 Menschen aus 63 Ländern an.
Sebastian Jüngel Blieb das Veranstaltungsprogramm im digitalen Format gleich beziehungsweise inwiefern hat es sich verändert?
André Hach Wir haben das Veranstaltungsprogramm angepasst. So fanden die Hauptvorträge am Nachmittag zu Zeiten statt, an denen ein großer Teil der Teilnehmenden weltweit live zuschalten konnte. Auch waren wir hinsichtlich der Arbeitsgruppen in Zeitpunkt und Anzahl an Teilnehmenden flexibler. So konnte beispielsweise ein Workshop, der ursprünglich nur zu einem Termin geplant war, problemlos zweimal abgehalten werden. In einem anderen Fall wurde kurzfristig ein Workshop über Kuh und Methanemissionen mit über 130 Teilnehmenden gegeben.
Nähe und Interaktion
Jüngel Hat sich die Art der Darstellung verändert?
Hach Ja, das lag aber auch an Corona. Wir haben verstärkt mit Dialogvorträgen gearbeitet, um sie lebendiger zu gestalten. (Das wäre auch hilfreich gewesen, falls einer der Sprecher/innen nicht hätte anreisen können.) Die Vorträge dauern maximal eine Stunde und endeten mit einer Frage- und Antwortrunde mit den Teilnehmenden, so wurden Nähe und Interaktion geschaffen. Die Moderation war anspruchsvoller, weil die Ausführenden wissen mussten, wann sie sich wohin zu bewegen und in welche Kamera sie zu schauen hatten.
Johannes Kronenberg Daher war auch die Arbeit mit einem professionellen Kamerateam wichtig. Bewusst nutzten wir die Bühne im Großen Saal als Studio, um einen ansprechenden und authentischen Hintergrund zu haben: den Blick auf die von den farbigen Fenstern beleuchteten Sitzreihen.
Jüngel Was lässt sich über die neu erschlossenen Teilnehmenden sagen?
Hach Es kamen viele neue Teilnehmende aus anderen Erdteilen hinzu. Das Goetheanum und auch die Tagung waren für viele präsenter und greifbarer als je zuvor.
Verena Wahl Es kamen dabei auch mehr Menschen aus anderen Berufen als bisher, darunter Ärztinnen und Ärzte sowie Lehrkräfte. Das könnte aber auch am erweiterten Kreis durch die Jugendsektion oder am Thema liegen.
Kronenberg Die Jugend wirkte teilweise zurückhaltend, wohl weil ihr tägliches Leben und ihr Studium weitgehend online stattfinden. Dabei steht für viele junge Menschen die Begegnung an erster Stelle, erst dann folgt für sie der Inhalt. Dennoch fanden fast 300 junge Menschen (online) Zeit und Energie, sich dem Tagungsgeschehen anzuschließen.
Mut, Vorbereitung, Commitment
Jüngel Welche Möglichkeiten haben sich für Sie neu erschlossen?
Hach Ich habe erlebt, dass man Stimmung und Inhalte auch über das digitale Medium transportieren und erzeugen kann – nur anders. Es braucht dazu allerdings Mut, eine gute Vorbereitung und Commitment. Bestes Beispiel hierfür ist die Arbeit am Michaelbrief ‹Von der Natur zur Unternatur› von Rudolf Steiner vor und während der Tagung. Wir haben viel positives Feedback erhalten.
Kronenberg Mir hat gefallen, dass es gelungen ist, dass das Lebendige mit dabei war – so haben es uns jedenfalls viele Teilnehmende zurückgemeldet. Dabei war wichtig, nicht in eine Routine zu geraten, sondern beispielsweise das Publikum jedesmal mit Fragen einzubeziehen.
Jüngel Wird es weiter digitale Angebote geben, auch wenn das Goetheanum wieder vor Ort besucht werden kann?
Wahl Unsere internationale Forschungstagung im August 2021 wird online sein, und wir werden als Sektion für Landwirtschaft auch nach Corona weitere digitale Angebote kreieren.
Kronenberg Das Goetheanum ist der physische Sitz, eigentlich so etwas wie der Leib der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der Sektionen der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. Insofern ist mir wichtig, dass das Digitale das Physische nicht ‹überschattet›. Das ist nicht zuletzt eine Suche nach der rechten Balance.