Leben verstehen, pflegen und fördern
Bei teilweise wieder geöffnetem Goetheanum hat die Goetheanum-Leitung das Arbeitsjahr 2019/20 zu einem vorläufigen Abschluss gebracht. Eine Frucht davon ist das Buch ‹Perspektiven und Initiativen zur Coronazeit›.
Zu den inhaltlichen Themen gehörte die Beschäftigung mit dem Christus-Michael-Erlebnis und dem kosmischen Christus-Impuls.
Die Goetheanum-Leitung hat die Corona-Zeit, in der alle Tagungen und Reisen abgesagt werden mussten, zu intensiver innerer Arbeit genutzt. Eine Frucht davon ist das Buch ‹Perspektiven und Initiativen zur Coronazeit› im Verlag am Goetheanum. Es wurde in Rekordzeit fertiggestellt und gedruckt und am Ende der Juni-Klausur der Goetheanum-Leitung druckfrisch angeliefert.
Seit Ostern ist in der inhaltlichen Arbeit die Frage nach der heute angemessenen ‹michaelischen Haltung› ergänzt worden durch die christliche Dimension der Anthroposophie im Sinne des Christus-Michael-Erlebnisses, das Rudolf Steiner in den Michael-Briefen (GA 26) beschreibt. Der geistdurchleuchtete Weg nach innen und der geistgetragene Weg nach außen gehören zusammen. Dies wurde uns während der Klausur zum Erlebnis, als wir mit den neuen Kollegen an wichtige Orte ihres Arbeitens mitgenommen und eingeführt wurden.
Kosmischer Christus-Impuls
Am 8. Juni hat uns Peter Selg (neu in der Leitung der Allgemeinen Anthroposophischen Sektion) im sogenannten Sterbezimmer von Rudolf Steiner, seinem Atelier im Schreinerei-Komplex neben dem Goetheanum, eindrücklich und intim aus dessen letzter Arbeits- und Lebenszeit erzählt. Wie schlicht ist dieser ‹Bretterverschlag›, wo noch so vieles aus innerer spiritueller Kraft als Keim gepflanzt wurde, was heute kraftvoll in der Welt steht. Die Christus-Statue aus der großen Holzskulptur des Menschheitsrepräsentanten stand damals im Zimmer – und in der Schilderung Peter Selgs leuchtete die Beziehung zum kosmischen Christus-Impuls auf, die im Ursprung der weltweiten anthroposophischen Bewegung lag.
Am 9. Juni haben Matthias Rang und Johannes Wirz (beide neu in der Leitung der Naturwissenschaftlichen Sektion) im Glashaus in den Wissenschaftsansatz des Goetheanismus Einblick gegeben, wie er in dieser Sektion seit Jahrzehnten, aufbauend auf den Arbeiten des gerade verstorbenen Jochen Bockemühls (1928–2020) (Nachruf), und von Georg Maier (1933–2016), gepflegt wird. Esoterisch ist ein Begriff, so Rudolf Steiner, wenn er in Zusammenhang gehalten wird mit den Erscheinungen, an denen er gebildet wurde. In dieser Art ist der goetheanistische Blick in die Natur ein Blick in geistiges Leben – im Sinne Michaels.
Transsektionales Fokusthema
Aus diesen Erlebnissen führt ein direkter Weg zum transsektionalen Fokusthema ‹Leben verstehen, pflegen und fördern›, das als Richtschnur für die Sektionen für die kommenden drei Jahre verabschiedet wurde. Ferner wurde ein grafisches Logo für das ganze Goetheanum beraten und beschlossen (Screenshot oben), interne Regelungen gutgeheißen, Zusprechungen für noch offene Jubiläumsanlässe 2023, 2024 und 2025 und ein beschreibender Text für die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft durchgearbeitet.
Am Abend des 8. Juni gab es ein 47-köpfiges Zoom-Treffen mit fast allen Länderrepräsentanten von Australien bis Kanada und fast den ganzen Sonnenlauf umfassend.
Die neuen Sprecher der Goetheanum-Leitung, Matthias Girke und Florian Osswald, werden ab September das nächste Arbeitsjahr leiten.
Ueli Hurter und Justus Wittich, Sprecher der Goetheanum-Leitung
Ergebenheit
Was auch kommt, was mir auch die nächste Stunde, der nächste Morgen bringen mag: Ich kann es zunächst, wenn es mir ganz unbekannt ist, durch keine Furcht und Angst ändern. Ich erwarte es mit vollkommenster innerer Seelenruhe, mit vollkommener Meeresstille des Gemütes! ••• Durch Angst und Furcht wird unsere Entwicklung gehemmt; wir weisen durch die Wellen der Furcht und Angst das zurück, was in unsere Seele aus der Zukunft herein will. ••• Hingabe an das, was man göttliche Weisheit in den Ereignissen nennt; hervorgerufen in sich selber immer wieder den Gedanken, die Empfindung, den Impuls des Gemütslebens, dass das, was da kommen werde, sein muss, und dass es nach irgendeiner Richtung seine guten Wirkungen haben müsste: das Hervorrufen dieser Stimmung in der Seele und das Ausleben dieser Stimmung in Worten, in Empfindungen, in Ideen, das ist die […] Stimmung des Ergebenheitsgebetes.
Quelle Rudolf Steiner: GA 59, Vortrag vom 17. Februar 1910, 2017, S. 114f., S. 117, S. 115.