Reijo Wilenius
Reijo Wilenius wurde am 22. April 1930 in Helsinki (FI) geboren. Zu seinen frühen Erinnerungen zählen Wärme und Fürsorglichkeit der Mutter sowie die Haltung des Vaters, der Mensch habe die Aufgabe, den Stürmen des Lebens standzuhalten.
Den Gymnasiasten faszinierte die Philosophie, etwa die Gedanken von Arthur Schopenhauer und Friedrich Nietzsche, die Tiefe in Gedichten von Rainer Maria Rilke und Thomas Stearns Eliot, Texte von Thomas Mann und Sprachbilder von Egon Friedell.
Selbständiges Denken
Ab 1949 studierte Reijo Wilenius Geschichte und Philosophie an der Universität Helsinki. Die Vorlesungen von Erik Ahlman waren richtungsweisend für sein späteres Denken. Besonders der Freiheitsgedanke Jean-Paul Sartres sowie die Forderung Søren Kierkegaards nach selbständigem Denken anstelle von Systematiken sowie das Denken Rudolf Steiners interessierten den jungen Studenten.
Nach dem Studium begann die erste Lehrtätigkeit in Kulturgeschichte an der Hochschule für Theater. Parallel dazu promovierte er mit dem Thema ‹The Social and Political Theory of Francisco Suárez›. Von 1962 bis 1973 war er unter anderem Assistenzprofessor für Gesellschaftswissenschaften an der Pädagogischen Hochschule in Jyväskylä und Dozent für praktische Philosophie an der Universität Helsinki. Von 1973 bis 1992 war er dann ordentlicher Professor für Philosophie der Universität Jyväskylä.
Reijo Wilenius gehörte zu den Gründern der ersten Waldorfschule in Helsinki (Rudolf-Steiner-Koulu) und war von 1961 bis 1976 zunächst Klassenlehrer, dann Fachlehrer für Muttersprache, Geschichte und Philosophie. Die Grundlagen der Waldorfpädagogik hatte er noch in den 1950er-Jahren am Pädagogischen Seminar am Goetheanum erworben, das er mit seiner Frau Aijami besucht hatte.
Gesellschaftlich engagiert
Reijo Wilenius gründete die Kritische Hochschule in Helsinki als Forum zum freien Austausch über Fragen des kulturellen Lebens, denn zu seinen Erfahrungen gehörte, dass es an der Universität nicht immer einfach war, vom gewohnten Strom der Wissenschaft abweichende Gedanken zu äußern. Reijo und Aijami Wilenius waren maßgebliche Planer für die 1980 gegründete Snellman-Hochschule in Helsinki. Auch war er Präsident des European Forum for Freedom in Education, von 1966 bis 1996 Vorsitzender der Anthroposophischen Gesellschaft in Finnland sowie von 1966 bis 2000 deren Generalsekretär.
Reijo Wilenius pflegte einen regen Gedankenaustausch mit Bernard Lievegoed über eine neue Erwachsenenbildung. Daraus entstand 1974 das Seminar für eine Erziehung zum Menschen. Auch in seinen an eine breite Öffentlichkeit gerichteten Publikationen und seinen Vorträgen über die Grenzen Finnlands hinaus ging es um die Selbstentwicklung des Menschen, inspiriert von Georg Wilhelm Hegel, Johan Vilhelm Snellman und Rudolf Steiner.
Sein letztes Werk, eine Autobiografie, wird posthum erscheinen.
Aus einem Beitrag von Raija Skinnari zusammengestellt und aus dem Finnischen von Seija Zimmermann.