Spirituelle Ökologie
Die Sommerwochen spirituelle Ökologie fanden von 17. Juni bis 4. Juli auf den Solowezki-Inseln statt und damit erstmals in Russland.
Die Solowezki-Inseln waren einst ein weit ausstrahlendes Klosterzentrum im Weißen Meer, 1429 impulsiert von den Mönchen Herman und Sawati, die hier das orthodoxe Kreuz errichteten, und Sosima, der das Kloster gründete. Nach der russischen Revolution wurden die Anlagen zum Gulag, dem Prototyp sowjetischer Zwangsarbeitslager, umfunktioniert. Dessen Greuel ist wie die äußerste Schicht von dunklem Lack und Kerzenruß, die die Ikone bis zur Unkenntlichkeit verdeckt. Denn noch früher waren hier die Mysterienstätten der ‹Drotten›. Auf Luftfotos sind noch Dutzende von Labyrinthen zu erkennen, Ausdruck einer vorchristlichen Schulung, den inneren Weg ganz im Naturaußen zu gehen. So wurden die Sommerwochen zum Schwellenübertritt.
Mit Geomant Wolfgang Schneider arbeiteten wir an den Wunden der Gaia mit schmerzhaften Erinnerungen wie Massenerschießungen und Folter – durch die vereinte Bewusstseinskraft der Teilnehmenden und die künstlerisch-musikalische Improvisation.
Viel Ungeborenheit
Der Impuls der Wahrnehmungsschulung hatte uns drei Sommer mit nordischer Natur verbunden: erst mit den Wäldern und Fjorden Südnorwegens, dann mit dem Hochgebirge (Riesenheim), zuletzt mit der Lichtfülle der Mitternachtssonne auf einer Insel südlich der Lofoten. Nun ging es auf annähernd demselben Breitengrad nach Osten zu jenem Archipel im Weißen Meer, einer Eintropfung der arktischen Barents-See in die skandinavische Landmasse mit dazugehörigem Zustrom klarsten polaren Äthers. Hier wird alles weit und weich, ob das Wasser in der Mitternachtssonne hell glitzert, tiefblau daliegt oder dunkelgrau unter Wind und Wolken dräut. So viel Ungeborenheit liegt hier in Meer und Himmel!
Gralsluft weht auf Solowezki. Nicht die der Pyrenäen oder von Südengland; auch vom nordischen Sampo ist nur ein Anklang vorhanden. Der hiesige Gral gehört noch ganz der Zukunft an, andeutungsweise webend in dem, was Mensch und Mensch zu Freunden macht – bis zur Ausbildung unserer sozialbewussten Fähigkeiten.