Thomastik-Geige

Thomastik-Geige

29 Mai 2019 Felix Lindenmaier 20 mal gesehen

Am 4., 12. und 19. Mai fanden im Goetheanum drei Konzerte statt, die der Basler Geiger Volker Biesenbender auf einer Thomastik-Violine gab.


Mit diesen Konzerten unterstützt die Sektion für Redende und Musizierende Künste am Goetheanum die Bestrebungen, den Reformimpuls des Wiener Geigenbauers Franz Thomastik (1883–1951) neu zu beleben und fortzuführen. Er ließ 1910 ein neues Modell einer Violine patentieren. 1922 und 1923 besuchte Rudolf Steiner seine Werkstatt und gab ihm Anregungen zur Weiterentwicklung seiner Ideen. Im Zweiten Weltkrieg wurden seine Werkstatt und damit ein Großteil seiner Instrumente Opfer einer Bombardierung. Derzeit ist die Existenz von nur noch sieben Thomastik-Violinen bekannt. Das Instrument, das Volker Biesenbender zur Verfügung gestellt wurde, wurde dem Goetheanum 2014 durch Renate Schmidt vermacht.

Offene Aufgabe: Weiterentwicklung

Nachdem in den letzten Jahrzehnten die Instrumente und jene Bauweise im Vordergrund standen, die Thomastiks Schüler und Mitarbeiter Karl Weidler (1901–1987) entwickelt hatte, findet jetzt eine Neubesinnung auf die Ideen und Konzepte von Thomastik selbst in ihrer ursprünglichen Form statt. Sie wurden nach dessen Tod in vielen Aspekten noch gar nicht erforscht und wieder aufgegriffen. Im Moment sind hier vor allem der Geigenbauer Arthur Bay (DE) sowie der Geiger Adolf Zinsstag von der Himmelsbach-Stiftung in Basel (CH) aktiv.

Am Schluss des zweiten dieser beiden Konzerte mit Werken für Violine solo von Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann konnte ein direkter Vergleich mit derjenigen Violine stattfinden, die Yehudi Menuhin in seiner Jugend spielte, einem Instrument von Carlo Ferdinando Landolfi (1714–1787) aus dem «goldenen Zeitalter des italienischen Instrumentenbaus». Der positive Höreindruck zeigte, dass es lohnend und dringlich wäre, den Impuls zur Erforschung und Weiterentwicklung der Thomastik-Instrumente tatkräftig zu fördern.


Web: Arthur Bay www.geigenbaumeister.de/bay
Web: Adolf Zinsstag www.stiftungehs.ch